Chronik der Woche

Die Delinale diskutiert den gesellschaftlichen Wandel. Kalter Kaffee ist kein Schnee von gestern. Followfish will Angeln gehen. Die Reduzierung von Zucker ist oft eine Mogelpackung. Und mit Siegfried Wonderleaf gibt es nun auch einen alkoholfreien Gin. Die Woche im Überblick.

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Über Food Porn, die Renaissance der Schmorgurke und freilaufende Influencer diskutieren am 30. September im Rahmen der Delinale 2018 im Schauspiel Dortmund u.a. Isolde Parussel vom Deutschen Kochbuchmuseum, der Flaschenbierfreund Marcus Koch, der Jeune Restaurateur Gregor Mönnighoff, die „Heimathäppchen”-Moderatorin Anja Tanas vom WDR und der Dortmunder Bürgermeister Manfred Sauer. Moderiert wird das Panel von Peter Erik Hillenbach (gastrotel.de).

Philosoffee auf der Gastro Vision @ Intergastra

Kalter Kaffee statt Pink Latte

Zum Koffein-Helden dieses Sommers hat die Süddeutsche Zeitung kaltgebrühten Kaffee erkoren, weil der es nicht nötig hat, dass Hipster Butter oder Kokosöl in den Kaffee schütten, Espresso mit dickflüssiger, süßer Kondensmilch oder Eigelb und Zucker mischen, heiße Milch und Rote-Beete-Saft hineinkippen, pulverisierte Vitalpilze aus China  und Wachmacher-Knollen aus Peru dazugeben oder mithilfe von Honig einen Pink Latte kreieren.  Das dürfte nicht zuletzt Aussteller der Gastro Vision wie  lyckaSlowbrew oder Philosoffee freuen.

Anglerlatein

Ausschließlich mit der Angelrute gefangen werden sollen die Thunfische, die das Start-up-Unternehmen Followfish, das sich nicht als Unternehmen, sondern als „Bewegung für einen nachhaltigen Lebenstil” versteht, nun auch in dm-Drogeriemärkten verkaufen lässt. In der „Welt am Sonntag” verkündete der Firmengründer Jürg Knoll, „dass alle maledivischen Fischer” auf diese Weise ganz Deutschland versorgen könnten.

„Bewegung für einen nachhaltigen Lebensstil”

Mogelpackung

Mit ihrem Kampf gegen Zucker wollen Aldi, Edeka, Lidl und Rewe sich als gesundheitsbewusste Apostel profilieren, aber auch Markenhersteller experimentieren immer öfter mit weniger Zucker. So hat Danone den Zuckergehalt seines Trinkjoghurts Actimel um 17 Prozent gesenkt, Nestlé reduzierte den zugesetzten Zucker in KitKat-Riegeln um rund 8 Prozent, Bahlsen hat eine Leibniz-Keks-Variante mit 30 Prozent weniger Zucker im Angebot und Dr. Oetker wirbt mit weniger stark gesüßten Versionen seiner Müslimarke Vitalis. „Selbst der Süßwarenhersteller Haribo brachte vor wenigen Monaten neue Fruchtgummis mit 30 Prozent weniger Zucker auf den Markt”, berichtet der Business Insider. Der Ernährungsexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg sieht das alles jedoch mit gemischten Gefühlen. Prinzipiell sei die freiwillige Reduzierung des Zuckergehalts zwar zu begrüßen. Aber auch eine kräftige Reduzierung des Zuckergehalts mache aus einer Kalorienbombe noch keinen gesunden Snack: „Wenn man in ein hochgezuckertes Müsli 20 Prozent weniger Zucker reintut, wird es nicht viel gesünder.“

Zu guter Letzt

Was vor zwei Jahren noch ein Aprilscherz war, ist nun Wirklichkeit geworden: Der Siegfried Rheinland Dry Gin hat mit Siegfried Wonderleaf eine alkoholfreie Alternative bekommen. Wonderleaf basiert auf den gleichen 18 Botanicals, die Siegfried Gin zu dem am höchsten bewerteten Gin der Welt gemacht haben. Und ähnlich wie bei einem normalen Gin werden die Aromen durch Destillation extrahiert. Was kommt demnächst? Alkoholfreier Whisky? Kinder-Rum? Wasserfreies Wasser?