Provokatives Aromaprofil

Aus ihrer Vorliebe für Altbier haben die Toten Hosen nie einen Hehl gemacht, sondern darüber sogar einen Song geschrieben — „Das Altbier-Lied”. Umso mehr dürften ihre Fans nun staunen, dass die Düsseldorfer Punk-Band zusammen mit der Hausbrauerei Uerige ein helles Bier in ihren Produkkatalog aufgenommen hat. Muss die Musikgeschichte umgeschrieben werden?

Man muss wohl schon an der längsten Theke der Welt, in Düsseldorf, aufgewachsen sein, um den Geschmack der Toten Hosen teilen zu können — zumindest, was das Bier betrifft. Denn spätestens, seit sie 1986 ihr „Altbier-Lied” veröffentlicht haben und sich im Video dazu als aufrechte Karneval-Fans outeten, gehören die Hosen und das obergärige Bier zusammen wie Düsseldorf und die Kö. Doch nun stellen sie die Musikgeschichte auf den Kopf und produzieren gemeinsam mit der Hausbrauerei Uerige, die mit ihnen schon so manche Aftershow-Party gestemmt hat, ausgerechnet ein helles Bier, das zudem noch in Bayern gebraut wird und nicht in der rheinischen Landeshauptstadt — „Hosen hell”.

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Der Grund dafür ist jedoch denkbar einfach: Mit dem „Uerige” gab es ihrer Meinung nach das beste Altbier bereits, sodass diese Brauvariante für ein bandeigenes Bier nicht mehr in Frage kam. Da kein Alkohol aber auch keine Lösung ist, entschied man sich schließlich dafür, „die Werte der obergärigen Hausbrauerei des Uerige mit der Lebensphilosophie der Düsseldorfer Hosen in das tägliche Leben einzubringen” und ein Bier mit einem „schon fast provokativen Aromaprofil” zu brauen, in dem hochfeine Aromahopfensorten perfekt mit einer leicht fruchtig-hefigen Note harmonieren, ohne die Bittere zu überlasten.

Nach zahlreichen Testläufen und Verkostungen, die bis zum frühen Morgen dauerten, gaben die Hosen schließlich den Start frei für ihr Bier, das man zunächst nur im bandeigenen Online-Shop oder im Uerige in der Düsseldorfer Altstadt bestellen kann. Ein Sechserpack kostet allerdings stolze 9,90 Euro, ist ja auch was Besonderes.

Die Musikgeschichte muss deshalb zwar nicht umgeschrieben werden, ein alter Witz kann nun aber nicht mehr erzählt werden: Treffen sich Wolfgang Niedecken von Bap, Campino von den Toten Hosen und Klaus Meine von den Scorpions in einer Kneipe. Niedecken bestellt ein Kölsch, Campino ein Alt und Meine ein Wasser. Woraufhin sich Niedecken und Campino wundern:  „Was ist denn mit dir los?” Und Meine antwortet: „Wieso? Ihr habt doch auch kein Bier bestellt.”

Fotos: Die Toten Hosen