Beim Internationalen Spirituosen Wettbewerb heimste der Hamburger Bartender Uwe Christiansen in diesem Jahr gleich zwei der begehrten Awards ein. Sein „Likör von der Litschi“ wurde mit einer Gold- und sein „Kiezkorn“ mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. likör flasche

In seinen Bars, auf Kreuzfahrtschiffen oder Filmfestivals mixt, serviert und erklärt der 1959 geborene Uwe Christiansen die von ihm kreierten Drinks und Cocktails stets persönlich — nur trinken muss der Gast sie alleine.

Mit dieser Einstellung ist Christiansen, der seine ersten Cocktails mit 18 in einer selbst gebauten Kellerbar seines Elternhauses mixte und schon bald Cocktail-Partys in den Dorfkneipen rund um Itzehoe veranstaltete, bislang sehr gut gefahren.

Nach seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann hatte er zunächst fünf Jahre lang einen Supermarkt im südafrikanischen Durban gemanagt und den Naughty’s Nightclub in Kapstadt betrieben, bevor er als Barchef auf der Queen Elizabeth anheuerte und in Angie’s Nightclub auf der Reeperbahn hinterm Tresen stand, der Bar des Hamburger Kiez-Theaters Schmidt’s Tivoli.

Vor mittlerweile 19 Jahren eröffnete er schließlich seine erste eigene Bar — Christiansen’s Fine Drinks & Cocktails am Pinnasberg. Dort beriet er jeden Gast persönlich und notierte sich jeden speziellen Wunsch in einer Gästekartei, um ihm bei seinem nächsten Besuch seinen Getränkewunsch exakt erfüllen zu können.

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Uwe Christiansen (Foto: muthkomm)

Auf diese Weise machte sich das Christiansen’s schnell über Hamburg hinaus einen Namen und wurde unter anderem vom „Playboy“ und vom„Feinschmecker“ als Bar des Jahres ausgezeichnet. Mit einem Angebot von rund 850 Getränken ist sie nicht nur in der deutschen Barszene ziemlich einzigartig, wenn man Glück hat, trifft man dort auch Udo Lindenberg, die US-Sängerin Pink oder den Basketballer Dirk Nowitzki an. Nur sonntags ist die Bar „wegen Reichtum geschlossen“. Dabei beließ es der vielfach und unter anderem als bester deutscher Bartender ausgezeichnete Christiansen jedoch nicht.

2003 eröffnete er auf der Reeperbahn die Bar Das Herz von St. Pauli (die zehn Jahre später nach einem Auftritt der Band Madsen im benachbarten Rock-Club Molotov wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste) und 2009 die Tiki-Bar Cabana am Hamburger Fischmarkt. Nebenbei eröffnete er auch noch eine Cocktailschule, die Barkurse für Profis und Anfänger anbietet, machte sich einen Namen als Autor von Büchern mit Cocktail-Rezepten („Mixed Emotions“) und stand gelegentlich in Fernsehserien und -Krimis oder für „Rachs Restaurantschule“ vor und hinter der Kamera.

Eierlikoer

Mal beriet er Getränkehersteller, und mal kümmerte er sich als Consultant um die Eröffnung einer Bar in Shanghai. Und seit 2009 widmet er sich mit aller Liebe einer Likörreihe, die von dem alteingesessenen Bergedorfer Familienbetrieb Von Have abgefüllt und vertrieben wird

Sein „Likör von der Kaffeebohne“ verbindet echten Kaffee mit gelagertem Jamaika-Rum und wurde kurz nach seiner Einführung mit der Goldmedaille beim Internationalen Spirituosen Wettbewerb (ISW) ausgezeichnet. Sein „Likör vom Ei“ erhielt mit dem „Großen Gold“ sogar einen Preis, der nur selten vergeben wird. Und wenn er für seinen „Likör von der Litschi“ und seinen „Kiezkorn“ in diesem Jahr nicht schon zwei ISW-Awards erhalten hätte, wäre wohl auch sein „St. Pauli-Killer“ prämiert worden — allein die Wettbewerbsbestimmungen ließen es nicht zu, dass ein Mixologe gleich drei Mal preisgekrönt wurde.

Dabei wird der „St. Pauli-Killer“ seinem Namen mehr als gerecht. Hergestellt aus natürlichen Zutaten wie dunkler Schokolade, Kirschsaft, einem Hauch Chili und anderen ausgewählten Ingredenzien, lässt dieser verführerische Likör den Konsumenten eintauchen in die verwegene und halbseidene Welt von St. Pauli. So manchem Gast soll sein 73-prozentiger-Rum-Anteil schon Kopf und Kragen gekostet haben.