Chronik der Woche

Die Austern kommen aus Sylt. Die Melonen aus Bayern. Die Bananen sterben aus. Die Currywurst wurde 70. Und Sünje Nicolaysen träumt von einer Bier-Fahrradtour durch Hamburg. Die Woche im Überblick.

Bis ins frühe 19. Jahrhundert existierten zwischen Sylt, Amrum und Föhr noch Austernbänke, Überfischung und eisige Winter bereiteten den natürlichen Beständen jedoch ein Ende. Erst 1986 gründete Clemens Dittmeyer, der Sohn des aus der Valensina-Werbung bekannten Onkel Dittmeyer, wieder eine Austernzucht und siedelte die aus Japan stammende Pazifische Felsenauster an, die sehr schnell wächst und besonders resistent gegen Schädlinge und Krankheitserreger ist. Weshalb immer mehr Köche auf die „Sylter Royal“ genannte Auster schwören, wie die Süddeutsche Zeitung herausgefunden hat.

Melonen aus der Region

Weil Kunden immer öfter regionale Produkte verlangen, werden in Bayern, Brandenburg und Rheinland-Pfalz mittlerweile auch Melonen angebaut. Da diese subtropische Frucht zu den Kürbisgewächsen zählt, kann sie generell in unserem Klima angepflanzt werden, stellte der stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Udo Hemmerling, in der FAZ fest. „Besser gedeihen sie aber bei uns im Gewächshaus.

Ausgerechnet Bananen …

Die Panamakrankheit, die sich seit den Neunzigerjahren ausbreitet, hat nun Kolumbien erreicht und könnte dafür sorgen, dass es in Supermärkten künftig so aussieht wie in den HO-Läden der DDR: „Bananen sind aus.“ Denn 99 Prozent des krummen gelben Obstes stammen aus Mittel- und Südamerika. Der Deutsche Fruchthandelsverband (DFHV) befürchtet deshalb, dass in absehbarer Zeit keine Bananen der Sorte Cavendish für den deutschen Markt mehr zur Verfügung stehen, und Kolumbien hat den nationalen Notstand ausgerufen und will das mit dem Erreger Tropical Race 4 infizierte Farmland niederbrennen.
Die erste bekannte Form des Erregers hatte in den Sechzigerjahren dafür gesorgt, dass die damals am weitesten verbreitete Bananensorte Gros Michel aus dem Angebot verschwand – und die Cavendish zur Standardbanane wurde. Um vom Northern Territory in Australien, wo TR4 1997 erstmals entdeckt wurde, bis in den Norden des Nachbarbundesstaates Queensland zu gelangen, hatte es zwar 20 Jahre gedauert. Mittlerweile hat die Panamakrankheit sich aber auch in Indien und China breitgemacht, den weltweit größten Bananenproduzenten, wie Spiegel Online berichtet.

70 Jahre Currywurst

In seiner Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“ beschrieb Uwe Timm, wie die Hamburgerin Lena Brückner auf der Treppe stürzte, sodass sich das Curry, das sie in der einen Hand gehalten hatte, mit dem Ketchup in der anderen vermischte und sie wider Willen die Currywurst-Sauce erfand. Einer anderen Legende zufolge soll die Ostpreußin Herta Heuwer 1949 in Berlin aus Langeweile etwas experimentiert, eine Soße aus Tomatenmark, Worcestershiresoße, Currypulver und anderen Gewürzen zusammengerührt und diese über eine gebratene und klein geschnittene Brühwurst gegossen haben. Weshalb auch sie als Erfinderin der Currywurst gilt, die am vergangenen Mittwoch 70 Jahre alt wurde. Der FAZ zufolge erhebt aber auch Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe aus Bückeburg bei Hannover Anspruch darauf, als Entdecker der Currywurst zu gelten. Das beliebteste Kantinenessen der Deutschen sei angeblich in seiner Schlossküche entstanden, als sein Küchenmeister dort 1946 für Offiziere der britischen Rheinarmee eine Soße aus Aprikosenmarmelade, Tomatenketchup, Curry und Salz zubereitet habe.

Die ultimative Fahrradtour

Bis vor vier Jahren hat die Husumerin Sünje Nicolaysen immer nur Pils getrunken. Doch dann probierte sie ein Trappistenbier, fing daraufhin an, selbst Bier zu brauen, und schrieb einen „ultimativen Bier-Guide“, der nun bei Heyne erschienen ist. Im Interview mit Uwe Ebbinghaus, dem Bier-Blogger der FAZ, träumt sie von einer Bier-Fahrradroute durch Hamburg: „Bei Landgang in Bahrenfeld könnte es losgehen, das ist eine Hinterhof-Idylle in einem Gewerbegebiet. Radelt man die Straße runter, landet man im kleinen Garten der Bierbar Malto von der Birrificio Shanghait. Anschließend kann man einen Umweg durch die Neustadt nehmen und in dem stilvollen Brewpub von Buddelship, der Bar Oorlam, ein Bier nehmen. Am Hafen entlang erreicht man dann Überquell, kann dort ein Pale Ale probieren. Der alte Elbtunnel führt nach Wilhelmsburg, wo man mit Bunthaus und Wildwuchs zwei kleine Brauereien mit tollen Schankräumen kennenlernen kann.“