Das Kaugummi feiert Geburtstag

Kaugummi gibt es bereits seit 150 Jahren, so richtig bekannt wurde es in Deutschland aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg — dank der hierzulande stationierten amerikanischen Soldaten.

Aus Gründen der Zahnhygiene und wohl kaum wegen des Geschmacks kauten die ersten Menschen Harz. Etwa 9000 Jahre später wurden Kautschuk, Harz und der Milchsaft südamerikanischer Bäume zu einer Masse verarbeitet, die sich nicht nur leichter kauen ließ, sondern auch besser schmeckte. Erst nachdem der amerikanische Seifenproduzent William Wrigley dem Chewing Gum Ende des 19. Jahrhunderts Minze hinzugefügt hatte, war das Kaugummi, das sich Amos Tyler am 27. Juli 1869 patentieren ließ, aber in aller Munde. Durchschnittlich 100 Streifen Kaugummi kauft jeder Deutsche pro Jahr, im Wert von 569 Millionen Euro.

Pfefferminz ist noch immer der Lieblingsgeschmack der Deutschen, längst gibt es aber auch Kaugummis, die nach Beeren, Zimt oder Wassermelone schmecken, Koffein enthalten oder zuckerfrei sind. Kaugummis helfen dabei, mit dem Rauchen aufzuhören oder abzunehmen und sorgen für einen Druckausgleich bei Flugreisen. Sie reinigen die Zähne und verhärten den Zahnschmelz, überdecken den Mundgeruch und hemmen sogar den Durchfall — wenn man nicht gerade übermäßig zuckerfreies Kaugummi kaut, dem Zuckeraustauschstoffe zugesetzt wurden, die ihn fördern oder Verstopfungen auslösen.

Dass der Kaugummi-Umsatz seit 2012 von knapp 600 Mio. Euro auf etwa 560 Mio. Euro gefallen ist, erklärt sich Mathias Dosne von Mondelez in der FAZ damit, dass Kunden beim Warten in der sogenannten Quengelzone eines Supermarktes immer häufiger auf das Display ihres Smartphones starren statt einen Blick ins Regal zu werfen, in dem gleich neben der Kasse Kaugummis ausliegen. Ein weiterer Grund für den Umsatzschwund dürfte sein, dass „der kreisende Unterkiefer, der in der Vergangenheit durchaus als sexy galt, heute viel eher als Langweile und unfreundliches Desinteresse gedeutet“ wird. Statt zum Kaugummi greifen Konsumenten immer mehr zu seinem größten Konkurrenten, der Pfefferminz-Pastille.