Chronik der Woche

Wie ein britischer Bauer sein Leben verändert und warum ein kalifornischer Farmer sich auf die traditionelle Landwirtschaft besonnen hat. Weshalb die Glasflasche eine Renaissance erlebt und worüber der DEHOGA mit Foodwatch streitet. Die Woche im Überblick.

Als der Schaf- und Viehzüchter John Lewis-Stempel vor zehn Jahren über seine Farm bei Wales lief, wilde Pilze im Gras sah und über ihm ein Wildvogel schrie, fragte er sich, ob es nicht toll wäre, von dem zu leben, was die Natur einem bietet. Während ein Landwirt immer versucht, die Natur zu kontrollieren, ließ er mal los, lebte ein Jahr lang als Sammler und Jäger und war plötzlich Teil der Nahrungskette. Diese Erfahrung veränderte sein Leben. Lewis-Stempel schrieb ein Buch darüber, „was es wirklich heißt, von der Natur zu leben”, und wurde mit dem Wainwright Prize for Nature Writing ausgezeichnet. Nun ist es endlich bei DuMont auch auf Deutsch erschienen, was Spiegel Online zum Anlass nahm, ihn zu interviewen. Am härtesten empfand er damals den Sommer: „Von wegen ,Summertime and the living is easy‘. Wenn man ein Raubtier ist, wie ich meine Rolle empfand, ist jedes anderes Raubtier, egal ob Fuchs oder Habicht, ein Konkurrent: Sie suchen nach dem gleichen Essen wie ich.“

Jetzt im Kino

Traditionell heißt nicht veraltet

Wie man eine Monokulturfarm mit ausgelaugten Böden in einen erfolgreichen „traditionellen Bauernhof“ verwandeln kann, zeigt hingegen der Kalifornier John Chester in seinem Dokumentarfilm „Unsere große kleine Farm“. Wobei Chester im taz-Interview mit „traditionell“ eine Landwirtschaftsmethode meint, „die vor der Abhängigkeit von Chemikalien wie synthetisch hergestellten Pestiziden und Kunstdüngern weit verbreitet war”. Ihm geht es um eine regenerative Landwirtschaft, die die Artenvielfalt erhöht und Ökosysteme in eine Balance gegen Krankheiten und Schädlinge bringt. Der Film läuft seit gestern in den Kinos.

Wasser aus Glasflaschen wird verstärkt nachgefragt

Der Trend geht zur Glasflasche

Ihre Wirkung zeigt auch die Diskussion über Plastikmüll. So musste der Maschinenbauer Krones seine Ergebnisprognose u.a. deshalb halbieren, weil die Getränkeindustrie immer weniger Abfüllanlagen für Plastikflaschen bestellt. Dass wir gerade eine Renaissance der Glasflasche erleben, bestätigt auch Dirk Reinsberg, Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels, in der Welt: „Die Verbraucher denken heute wieder viel intensiver nach, was sie kaufen. Jedenfalls ist wahrnehmbar, dass mit Einsetzen der Plastikdiskussion hierzulande auch der Absatz von Glasflaschen stetig steigt.“ Während Biertrinker der guten alten Glasflasche treugeblieben waren, ist der Anteil von Mehrwegflaschen aus Glas beim Verkauf von Mineralwassern und Erfrischungsgetränken in Supermärkten, Drogerien und Getränkeabholmärkten um mehr als 10 Prozent Prozent gestiegen.

Rechtliche Zweifel an Topf Secret

DEHOGA versus Foodwatch

Derweil eskaliert der Streit zwischen der Verbraucherorganisation Foodwatch und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Anders als von Foodwatch dargestellt, habe die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) in ihrem Antwortschreiben an den DEHOGA die Foodwatch-Plattform „Topf Secret“ nicht „begrüßt“, sondern lediglich allgemein geäußert, dass das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) ein wichtiges Instrument sei, „um das Vertrauen der Verbraucher in das Funktionieren des Marktes zu stärken“. Aussagen zur rechtlichen Zulässigkeit von „Topf Secret“ habe sie damit nicht getroffen. Mittlerweile, so der DEHOGA, hätten auch zahlreiche Verwaltungsgerichte erste Entscheidungen zu „Topf Secret“ getroffen und die rechtlichen Zweifel an der Internetplattform gestärkt. Von 28 dem DEHOGA bekannten Entscheidungen seien 21 Entscheidungen zugunsten der Betriebe ausgefallen, stellte der Verband in der AHGZ klar.