Chronik der Woche

Die thüringische Polizei verwehrt Nazis das Biertrinken. Der DEHOGA wehrt sich gegen Foodwatch. Julia Klöckner macht keine Schleichwerbung. Mars macht mobil. Oxfam kritisiert Supermärkte. Und Arby’s macht aus Fleisch Gemüse. Die Woche im Überblick.

Im Millerntorstadion des FC St. Pauli ist schon seit Jahren die Parole „Kein Bier den Faschisten!“ zu lesen. Nun folgt auch die Polizei diesem Aufruf. Nachdem Mitte Juni bei einem Rechtsrock-Konzert in Ostritz 4200 Liter Bier beschlagnahmt wurden und Bürger aus Protest gegen das Konzert den gesamten Vorrat eines Supermarktes aufgekauft hatten, hat die Thüringer Polizei nun eine Tankstelle in der Nähe eines Festivalgeländes im Kreis Hildburghausen angemietet. „Die Tankstelle ist das Hauptquartier der Polizei und zur Getränkeversorgung von Neonazis nicht zugänglich“, teilte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) am Dienstag in Erfurt mit. Bei dem Rechtsrockkonzert darf am Samstag kein Alkohol ausgeschenkt werden.

Eine Parole zeigt Wirkung — FCSP-Fan-Club Breite Masse

Was Foodwatch unter Demokratie versteht

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft mehreren DEHOGA-Landeschefs vor, Hygiene-Versäumnisse in den eigenen Betrieben zu vertuschen. Gleich vier dieser Landespräsidenten hätten mit ihren Betrieben Klagen gegen die Veröffentlichung der amtlichen Hygiene-Kontrollergebnisse auf der neuen Plattform Topf Secret eingereicht. Der Verband verurteilt die Angriffe von Foodwatch auf Ehrenamtsträger des Verbandes  aufs Schärfste. Es sei das gute Recht eines jeden Unternehmers, die Rechtmäßigkeit der Veröffentlichung von Lebensmittelkontrollergebnissen auf der Internetplattform Topf Secret überprüfen zu lassen. Das habe nichts mit Geheimhaltung zu tun. Ingrid Hartges, die Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes, drängt deshalb auf eine höchstrichterliche Klärung. „Es kann nicht sein, dass die zuständigen staatlichen Lebensmittelbehörden Kontrollberichte nur unter bestimmten, sehr engen Voraussetzungen veröffentlichen dürfen und andererseits auf einem Onlineportal wie Topf Secret Kontrollberichte schrankenlos veröffentlicht und diese dauerhaft der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden“, wurde sie in der AHGZ zitiert.

Ernährungsministerin Julia Klöckner (Foto: CDU Rheinland-Pfalz)

Die Lobbyglucke von der Nestlé-Truppe

Die positive Darstellung des Nestlé-Konzerns, der wegen seiner Rolle bei der Ausbeutung von Wasservorräten immer wieder kritisiert wird, durch die Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) in einem Video war keine Schleichwerbung, wie die taz berichtete. Zu diesem Schluss kam die Medienanstalt Berlin Brandenburg (MABB): „Laut Einschätzung der MABB handelt es sich nicht um Wirtschaftswerbung, da die Äußerungen der Bundesministerin nicht – wie vom Rundfunkstaatsvertrag vorausgesetzt – bei der Ausübung eines Handels, Gewerbes, Handwerks oder freien Berufs erfolgen.“ Außerdem habe das Ministerium versichert, kein Geld oder eine Gegenleistung von Nestlé für die kostenlose Werbung erhalten zu haben. Wie sang doch einst Arno Steffens: „Is‘ ja alles supergut, ne?“

Nicht neu im Sortiment — der Schokoriegel Stinker

Mars macht mobil

Der US-Süßwarenkonzern Mars hat mit Foodspring ein deutsches Start-up für Fitness-Food gekauft. Die Berliner Firma Foodspring konzentriert sich auf eine Konsumentengruppe, für die Fitness und Gesundheit zentrale Aspekte seien. Ihre Energy-Shakes, Müslis und Vitaminpräparate will Foodspring nun in einem breiteren Markt salonfähig machen. Die Übernahme des Start-ups zeige, dass die internationalen Nahrungsmittelgruppen die Megatrends in Richtung Gesundheit und Premiumprodukte umfassend erkannt hätten, sagte die amerikanische Investment-Bankerin Garyth Stone, die in die Übernahme eingebunden war, in Die Welt. „Die Großunternehmen verstehen jetzt, dass sie in einem frühen Stadium der Markenentwicklung eingreifen und in kleinere Unternehmen investieren müssen, als sie es vor wenigen Jahren auch nur erwogen hätten.“

Oxfam kritisiert Supermärkte

Leid, Ausbeutung und Diskriminierung seien in den Lieferketten deutscher Supermärkte an der Tagesordnung. Das wirft die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam den Supermarktketten Aldi, Lidl und Rewe vor. „Zentrale Maßnahmen der menschenrechtlichen Verantwortung durch Unternehmen“ wie die Rückverfolgbarkeit und Offenlegung von Lieferanten sowie Informationen über bei ihnen herrschende Arbeitsbedingungen, die Zahlung existenzsichernder Löhne, die Schaffungen von Anreizsystemen für Lieferanten mit guten Arbeitsbedingungen, die Verpflichtung zur Vermeidung unlauterer Handelspraktiken gegenüber Lieferanten und die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften sowohl auf internationaler als auch lokaler Ebene blieben weiterhin auf der Strecke. Im internationalen Vergleich am schlechtesten schnitt laut Spiegel Online Edeka ab.

So sieht also Gemüse aus …

Fleisch ist Arby’s Gemüse

Während der fleischlose Burger Beyond Meat auch bei uns einen Hype sondergleichen ausgelöst hat, will die Fast-Food-Kette Arby’s demnächst in ihren 3300 Filialen auch Megetables anbieten — Gemüse aus Fleisch. Auf Nachfrage versicherte ein Sprecher des Unternehmens, dass es sich dabei nicht um einen PR-Coup handele.