Chronik der Woche

Die Berliner Trauerspiele gehen weiter. Snoop Dogg hat einen neuen Weltrekord aufgestellt. Der Trend geht zum Snack. Ein Ossi-Bier macht von sich reden. Tim Mälzer ist ein Schlaufuchs. Und Christian Meißner findet immer einen Grund zum Feiern. Die Woche im Überblick.

Andrea „Bätschi“ Nahles (SPD) war kaum von all ihren Ämtern zurückgetreten, da tapste die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) zielsicher in das nächste Fett-Töpfchen und lobte in einem Video den umstrittenen Nestlé-Konzern, weil er ihre „Initiative“ für weniger Zucker, Fette und Salz in Lebensmitteln unterstütze. Die Folge war ein Shitstorm sondergleichen, mit dem Ergebnis, dass jetzt auch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg sich mit dem Vorwurf befasst und die CDU in Umfragen nun hinter die Grünen zurückgefallen ist. Der YouTuber Rezo („Die Zerstörung der CDU“) fand die richtigen Worte für Julia Klöckners diplomatisches Ungeschick: „Hätte ich exakt diesen Tweet mit genau so einem Video gepostet, hätte ich es als Werbung kennzeichnen müssen.“ Früher wäre Julia Klöckner von Mutti dafür übers Knie gelegt worden …

Doggystyle

Einen neuen Weltrekord stellte der Westcoast-Rapper Snoop Dogg auf, als er Ende Mai auf der Bühne des BottleRock-Musikfestivals mithilfe von Warren G den größten Paradise-Cocktail der Welt mixte, einen „Gin and Juice“. Ein Mitarbeiter von Guinness World Records war vor Ort im kalifornischen Napa Valley und bestätigte, dass dafür 180 Flaschen Hendricks-Gin, 154 Flaschen Apricot-Brandy und 38 Krüge Orangensaft verrührt wurden. Gesponsert wurde der Weltrekordversuch von einer Marke für Küchengeräte. Gin and Juice hieß auch die zweite Single, die aus Snoop Doggy Doggs Debütalbum Doggystyle 1993 ausgekoppelt worden war und ihn — und den Drink — erst so richtig bekannt gemacht hatte.

Snackification

Die Trendforscherin Hanni Rützler hat in ihrem Food Report 2020 einen neuen Essenstrend ausgemacht. Demnach schlagen wir uns nicht mehr mit Süßigkeiten, Chips oder Salzgebäck den Bauch voll, sondern greifen zu Snacks, die traditionelle Mahlzeiten wie das Mittagessen ersetzen. Die sogenannte Snackification der Esskultur sei „Ausdruck einer flexibleren, spontaneren und individuelleren Gesellschaft“ und der Motor neuer Entwicklungen eine weltweit wachsende konsumfreudige und -fähige Mittelklasse: „Food Trends sind ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft.“ Der Überfluss beschleunige einerseits den Konsum, löse aber auch Suchbewegungen aus, aus denen wiederum neue Trends entstünden. Der „Food Report“ wird von Matthias Horx‘ Zukunftsinstitut in Zusammenarbeit mit der Lebensmittelzeitung und der dfv Mediengruppe herausgegeben. Horx hatte einst dem Internet keine große Zukunft als Massenmedium prophezeit.

Midnight Curry vom Fresh Food Servce

Ossi-Bier für Ossis

Laut Bastian Pochstein von der Brauerei Lübz befindet sich der Biermarkt im Wandel. Als Gründe dafür gibt er im Interview mit Die Welt die demografische Entwicklung an („Je älter die Konsumenten werden, desto weniger Bier trinken sie“), aber auch die Veränderung der Trinkgewohnheiten, die sich „dramatisch“ verändert hätten. So achteten Verbraucher heute mehr auf ihre Gesundheit und mieden generell alkoholische Getränke. Für die kommenden fünf bis zehn Jahre rechnet er mit einem weiter sinkenden Verbrauch in Deutschland. Er selbst könne sich jedoch nicht beklagen. Lübz sei um vier Prozent gewachsen „und damit fast doppelt so stark wie der Markt“. Als positiv wertete er auch die gestiegene Nachfrage nach Bier aus der Umgebung. Der Verbraucher wolle kein Standard-Pils mehr, sondern ein individuelles und besonderes Bier von der Brauerei aus der Nachbarschaft. Das zeige sich auch in den Zahlen: In Mecklenburg-Vorpommern liege der Marktanteil von Lübzer mittlerweile bei 40 Prozent. Schon zu DDR-Zeiten sei Lübzer Bier im Osten sehr beliebt gewesen: „Denn von dort kommen besonders viele Urlauber nach Mecklenburg-Vorpommern, die Lübzer hier kennenlernen oder wiederentdecken und anschließend auch zu Hause trinken wollen.“ Statt bundesweit zu expandieren, will man sich vorerst auf die ostdeutschen Bundesländer konzentrieren.
Neben dem Trend zum Regionalbier habe der Hype um Craft-Bier geholfen, dass der Bierbranche wieder mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung geschenkt wurde. Wenn man sich den Markt aber genauer anschaue, wird Craft-Bier wohl ein Nischenprodukt bleiben – „ in einer sehr, sehr kleinen Nische“. In Deutschland möge man eben „keine stark gehopften oder im Whiskeyfass gereiften oder mit Hibiskusblüten und Basilikum versetzten Biere”, bei denen sich der Gaumen zusammenziehe. Ob Pochstein damit vor allem den Osten im Blick hatte, ist nicht bekannt.

Tim Mälzer bei Günter Jauch (Screenshot RTL)

Schlaufuchs

Der TV-Koch Tim Mälzer engagiert sich schon seit langem für das Hamburger Obdachlosen-Magazin Hinz & Kunzt. Bei der ersten Frage des Promi-Specials Wer wird Millionär? musste er aber lachen: Trete ich im Wald unabsichtlich auf einen Pilz, so heißt es für diesen unter Umständen
a) „Alle Achtung“
b) „Vortrefflich“
oder c)  „Hut ab!“?
Dieser Wortwitz ist es, den Mälzer an Günther Jauchs Rate-Show so schätzt, und so gewann er letztlich 125.000 Euro, die zu gleichen Teilen an Hinz & Kunzt und das Hamburger Kinderhospiz „Sternenbrücke“ gingen.

Nutella-Streik

Unfreiwillig komisch: Anlässlich des Streiks im größten Nutella-Werk der Welt in Viller-Ecalles (der Gott sei Dank beendet wurde!) erinnerte das Magazin für Fußballkultur, 11 Freunde, an die Werbespots mit der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Platz für 800 Windmacher

Grund zum Feiern

Nach vier Jahren Planungs- und Bauzeit konnten der Großküchenplaner Christian Meißner und seine Firma  Profi-tabel Resultants der neuen Nordex-Hauptverwaltung in Hamburg ihr Mitarbeiterrestaurant übergeben. In der Edel-Kantine des Herstellers von Windturbinen können 800 Mitarbeiter Platz nehmen. 

Zu guter Letzt

Bewerbungsschluss für den Förderpreis 2020 der Gastro Vision ist nicht der 11.9. 2019, wie irrtümlich auf unserer Homepage angegeben war, sondern bereits der 5.9. Reichen Sie Ihre Unterlagen also bitte eine Woche früher ein — spätestens. Viel Erfolg!

 

Titelfoto: Nordex