Journalismus 2.0

Nachrichten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Berichteten überregionale Medien früher nur über das, was wirklich wichtig und bundesweit von Interesse war, wird heute jede noch so banale Meldung aufgeblasen, um „Content“ zu erzeugen.

In dem rheinland-pfälzischen Örtchen Lambsheim haben Diebe in der Nacht zum vergangenen Freitag fast ein ganzes Erdbeerfeld leer gepflückt. Bevor es das Internet gab, wäre das wohl nur dem „Lambsheimer Kreisanzeiger“ eine Meldung wert gewesen.  Spiegel Online nahm den Beerenklau aber zum Anlass, um groß darüber zu berichten, schließlich hatte es in Bad Sobernheim im vergangenen Jahr bereits einen ähnlichen Fall gegeben und auch ein Konstanzer Landwirt war 2017 schon mal zum Opfer eines Beerenklaus geworden. „Die Polizei“, so das Nachrichtenmagazin, „geht aufgrund der Größe des Feldes von mehreren Tätern aus“ und „schätzt den entstandenen Schaden auf rund 700 Euro“.

Über einen „Zeitungsdieb auf der Flucht“ berichtete hingegen die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ am 19. Mai 2019: „Ein Unbekannter hat in Krumbach (Landkreis Günzburg) fast hundert Tageszeitungen gestohlen. Als ein Austräger die Zeitungen in der Nacht zum Samstag bei einer Bushaltestelle im Ortsteil Billenhausen abholen wollte, fand er nur noch eine vor, so die Polizei; die restlichen 95 fehlten. Warum jemand so viele Exemplare mitnahm, ist unklar. Der Schaden beträgt laut Polizei 218 Euro.“

Demnächst in den Fake News: 

Im westfälischen Deppendorf kam es in einem Supermarkt zu einem dramatischen Unfall, als plötzlich ein Sack Reis umfiel und den Gang zwischen zwei Regalen versperrte. Ein Kunde konnte seinen Einkaufswagen nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr mit ihm auf den Hackenporsche eines Rentners auf, der gerade Mehl suchte und den Porsche mitten im Gang geparkt hatte. Der Filialeiter kam mit dem Schrecken davon. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) unterbrach daraufhin seine Amtsgeschäfte und machte sich vor Ort persönlich ein Bild von dem Crash, der den Einkauf um 63 Sekunden verzögerte. Auf einer blitzschnell einberufenen Pressekonferenz vor der Wursttheke sprach der Andi sich gegen eine von der Opposition geforderte Geschwindigkeitsbegrenzung in Supermärkten aus: „Nach unserem jetzigen Kenntnisstand wäre der Sack auch bei Tempo 100 umgefallen.“

Bizarrer Streit um ein Stück Erdbeerkuchen in Tussenhausen

In der Bäckerei Schmid im bayrischen Tussenhausen kam es zu einem Eklat, als zwei Kundinnen beide das letzte Stück Erdbeerkuchen kaufen wollten. Die Fachverkäuferin Erna S. konnte den Streit aber schlichten, indem sie einer Kundin die Erdbeeren und der anderen den Tortenboden verkaufte. Die von einem Passanten alarmierte Polizei musste daraufhin unverrichteter Dinge wieder abrücken. Die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), sprach jedoch von einem Durchbruch in den Beziehungen der beiden Kundinnen: „Wenn der Streit erst mal auf YouTube zu sehen ist, vertragen sich die Kontrahentinnen bestimmt wieder.“

Das 140 Einwohner zählende fränkische Schnarchenreuth kommt nicht zur Ruhe. Nachdem eine Frau in der Nacht zum Sonntag aufgewacht war, weil ihr Mann nach übermäßigem Alkoholgenuss zu laut schnarchte, wurden zwei Langschläfer am frühen Montagmorgen von ihren Weckern jäh aus dem Schlaf gerissen. Heimatminister Horst Seehofer machte Beeren mit Migrationshintergrund für die Ruhestörungen verantwortlich: „Wenn sich dieser Verdacht bestätigt, müssen die Beeren ebenso zügig abgeschossen … äh … abgeschoben werden wie die Wölfe, damit wir auch weiterhin dicke Kartoffeln ernten können. Denn für die Sicherheit der Bürger ist uns keine Obergrenze zu hoch.“ Weil Eile geboten sei, will der Heimat-Horst den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, vorzeitig aus dem Winterschlaf holen.