Chronik der Woche

Bäckereien und Fleischereien beklagen Nachwuchsmangel. Vincent Klink wünscht sich ein Comeback des Patrons. Mysteriöse Einbrüche in ein Sternerestaurant. Tierärzte verschreiben zu viele Antibiotika. Weißer Spargel wird überbewertet. Lieferando schluckt Lieferhelden. Und Viva con Agua erhält Preis für Empowerment. Die Woche im Überblick.

Innerhalb von nur zehn Jahren hat sich die Zahl der Bäckereien und Fleischereien in Deutschland um ein Drittel reduziert. Gab es im Jahr 2008 noch 15.300 Bäckereien und 18.300 Fleischereibetriebe, waren es Ende 2018 nur noch knapp 11.000 bzw. 12.900. Herbert Dohrmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Fachverbände des Lebensmittelhandwerks, führt den Rückgang auf Spiegel Online auf den „Mangel an qualifiziertem Personal und an Nachwuchskräften“ zurück, „aus denen eine neue Generation von Inhabern entstehen müsste“. Bäckereien und Fleischereien litten zudem unter einer Flut neuer Vorschriften, „die auf Großunternehmen zugeschnitten“ seien, aber auch auf Familienbetriebe mit zehn Mitarbeitern angewandt würden, die den zeitlichen Aufwand oft nicht erbringen könnten.

Kaum einer will mehr kleine Brötchen backen

Patrons … verzweifelt gesucht!

„Leute, die den Laden zusammenhalten“, fehlen laut Vincent Klink auch in der Gastronomie. „Es fehlt heute nicht an guten Köchen, es fehlt an guten Wirten. An Leuten, die als Regulativ auftreten, die Qualitätsstandards vorgeben“, wird er von der Süddeutschen Zeitung in einem Artikel über die „Zirkusdirektoren der Hochgastronomie“ zitiert. Ein guter Patron sei für ein Restaurant so wichtig, wie ein Fußballtrainer für seine Mannschaft. Klink: „Alles fokussiert sich heute auf den Sternekoch, der mit oft übersteigertem Ego der Pleite entgegenkocht. Vielen Köchen würde man einen Partner an die Seite wünschen, einen Patron mit Abstand, weniger Testosteron, dem besseren Überblick. Auch auf die Finanzen.“

Mysteriöse Einbruchsserie

Gleich drei Mal innerhalb einer Woche wurde in das Sternerestaurant Jellyfish in Hamburg-Eimsbüttel eingebrochen, nachdem bereits Ende März die Scheiben eingeworfen wurden. „Die Täter rissen die Tiefkühlgeräte und Vorratsschränke auf und verteilten den Inhalt auf dem Boden von Küche und Restaurant“, berichtete das Hamburger Abendblatt. „Die komplette Ware war vernichtet.“ Die Täter vermutet der Inhaber Hauke Neubecker aber nicht im angrenzenden Schanzenviertel: „Wir sind gut ins Viertel integriert, sitzen hier seit sieben Jahren, haben auch nichts mit Schickimicki am Hut.“

Antibiotika-resistente Erreger

In jeder zweiten Hähnchenfleischprobe aus deutschen Supermärkten fand Germanwatch antibiotika-resistente Erreger. Germanwatch hatte 59 Fleischproben von Aldi, Lidl, Netto, Real und Penny prüfen lassen. Bei den Proben handelte es sich um Fleisch aus konventioneller Haltung der vier umsatzstärksten Schlachthofkonzerne in Deutschland, berichtete die taz. Jede dritte Probe war mit Erregern kontaminiert, die sogar gegen Reserveantibiotika resistent sind, die bei Erkrankten angewandt werden, wenn andere Antibiotika nicht mehr anschlagen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO starben allein im vergangenen Jahr weltweit etwa 700.000 und in Deutschland 4.000 Menschen an Infektionen, gegen die keine Antibiotika mehr helfen. Ein wesentlicher Grund dafür sei die Massentierhaltung. Gerd Ludwig Meyer, ein Facharzt für Innere Medizin, fordert deshalb, dass die Bundesregierung Tierärzten das Verschreiben von Antibiotika verbietet. Denn in der „Turbozucht“ für die Billigfleisch- und Billigmilcherzeugung würden die Folgen der „katastrophalen Haltungsbedingungen“ oft mit noch mehr Antibiotika kompensiert.

Weißer Spargel wird überbewertet

Der alte weiße Mann der Kulinarik

Gegen den Kult, der hierzulande um weißen Spargel betrieben wird, wettert Margarete Stokowski in einer Kolumne auf Spiegel Online. „Der alte weiße Mann der Kulinarik“ werde komplett überbewertet. Während Windkraftwerke als Verschandelung der Natur gelten, habe der gemeine Deutsche „kein Problem damit, dass Spargel oft in Monokulturen unter Plastikfolie angebaut wird, die mindestens genau so hässlich aussehen“. Der Anbau von weißem Spargel sei zudem sehr aufwendig und geerntet würde er traditionell von Polen und Rumänen, weil die Arbeit den Deutschen zu schwer sei. Grüner Spargel sei außerdem nicht nur gesünder, sondern müsse auch nicht geschält werden.

Orange statt pink

Nachdem die Lieferando-Mutter takeaway.com die Bringdienste Lieferheld, Pizza.de und Foodora gekauft hat, werden schon bald keine pinkfarbenen Kuriere mehr durch deutsche Städte radeln, sondern orangene Jacken tragen. Aus Datenschutzgründen können Kundendaten aber nicht ohne weiteres auf Lieferando übertragen werden. Wer bislang etwas bei Pizza.de, Lieferheld und Foodora bestellt hat, muss ein neues Profil bei Lieferando anlegen, um künftig beliefert zu werden, berichtet das Hamburger Abendblatt.

Michael Fritz: „Der Preis geht an euch alle.“

Motivation zum Weiterrocken

Last not least: Mit dem About-You-Award 2019 für „Empowerment“ wurde die Wasserinitiative Viva con Agua ausgezeichnet. Mit der Preisverleihung einher ging eine Spende von About You in Höhe von 10.000 Euro für den Bau eines Brunnens. „Der Award gibt uns die Möglichkeit, zahlreiche Menschen zu erreichen und für freudvolles Engagement für sauberes Trinkwasser zu aktivieren“, freute sich Michael Fritz, der den Preis entgegennahm: „An jeden Pfandbecherjäger, jeden Becherspender, an jedes Festival, jeden Konzertveranstalter, an jeden Künstler mit seiner Ansage oder seiner Benefizaktion, an jeden Aktivisten und Spender von @Viva con Agua – an euch alle geht der Preis.“ Für Viva con Agua sei dies eine Motivation, weiterzurocken, und eine Wertschätzung des gesamten Netzwerks und des Engagements aller Ehrenamtlichen.