Neues vom Biermarkt

Trotz des Rekordsommers im vergangenen Jahr stagniert der Biermarkt. Während der Pils-Umsatz weiterhin sinkt, verzeichnen alkoholfreie Biere und Biermixgetränke enorme Zuwächse.

Mit einem Absatz von 3,2 Milliarden Litern allein in Abholmärkten und Lebensmittelgeschäften war das Pils auch 2018 die unangefochtene Nummer 1 auf dem Biermarkt. Doch selbst der Supersommer des vergangenen Jahres konnte einen erneuten Absatzrückgang nicht verhindern. Das geht aus einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen hervor, wie die FAZ berichtet.

Ihr zufolge wurden 2018 etwa 6,1 Milliarden Liter Bier und Biermixgetränke konsumiert, fast drei Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg in dieser Zeit um 7 Prozent auf 8 Milliarden Euro, weil fast alle bekannten Pils-Marken ihre Preise erhöht hatten. Der Verbraucher gab somit durchschnittlich etwa 100 Euro für das Lieblingsgetränk der Deutschen aus.

Pils hat, unabhängig von der Marke, ein Imageproblem

Während immer weniger Pils tranken, wurden Radler, alkoholfreie und Spezialistenbiere hingegen zu Umsatztreibern, wie der Nielsen-Marktforscher Marcus Strobl weiß. Denn Pils habe vor allem bei jüngeren Konsumenten ein „Imageproblem“ und die Loyalität zu einer Marke nehme immer mehr ab.

In Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland steht alkoholfreies Bier hingegen bereits auf Platz 2 der beliebtesten Biersorten. Dass im alkoholfreien Sortiment noch viel „Potential“ steckt, zeigt auch die Neumarkter Bio-Brauerei Lammsbräu, deren alkoholfreies Radler momentan durch die Decke knallt, wie André Lau von der Wasserinitiative Viva con Agua dem Magazin der Gastro Vision bestätigte. In Hamburger Getränkemärkten, bei Denn’s oder Budnikowsky ist es immer mal wieder ausverkauft, weil Lammsbräu mit der gestiegenen Anfrage nicht mitkommt.

Alles andere als leicht gemacht wird es hingegen den Brauern „besonderer Biere“. Zwar dürfen Biere in Deutschland auch Zutaten enthalten, die im Vorläufigen Biergesetz nicht aufgeführt sind, allerdings müssen sie behördlich genehmigt werden. Darüber, wie uneinheitlich dieses Verfahren abläuft, empörte sich der Berliner Brauer Sebastian Mergel am Tag des deutschen Biers  in der FAZ: „In jedem Bezirk sind andere Behörden zuständig. Bei uns ist es das Ordnungsamt Marzahn-Hellersdorf, Abteilung Wirtschaft, Straßen und Grünflächen. In manchen Bezirken interessiert es offenbar keine Behörde, was man so in seine Braukessel wirft. In anderen Bezirken reicht eine E-Mail samt formlosem Antrag, und der Brauer erhält wenig später die Genehmigung, zum Beispiel eine Gose mit Salz und Gewürzen zu brauen. In einem Bezirk wartet ein Brauer hingegen bereits seit über einem Monat auf die Genehmigung für ein Bier desselben Stils – einem Bierstil immerhin, der in Deutschland 1337 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Auch auf Nachfrage gab es zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen noch nicht einmal die Auskunft, ob der Antrag denn eingegangen sei und bereits bearbeitet werde.“