Wolfgang Müllers Wutrede

Den passionierten Metzger und Sternekoch Wolfgang Müller kann so leicht nichts aus der Ruhe bringen. Der Kommentar eines anonymen Amazon-Kunden sorgte nun aber dafür, dass ihm der Kragen platzte.

Der Online-Versand Amazon ist nicht zuletzt dafür bekannt, dass dort jeder seinen Senf zu einem Produkt hinterlassen kann, wie unmaßgeblich, unzutreffend und ungerecht der auch sein mag. Schon so manches dort vorgestellte Buch wurde von Wutbürgern, Internet-Trollen oder neidischen Kollegen hämisch kommentiert, die sich oft nicht mal die Mühe gemacht hatten, wenigstens darin zu blättern. Was selbst Autoren erzürnte, die sich keineswegs nur zustimmende Jubel-Arien erhofften, sondern durchaus auch ernstzunehmende Kritiken von Lesern – um für die Zukunft daraus zu lernen.

Wurst-Papst Wolfgang Müller redet Klartext

Aber was soll man, als Autor oder Verlag, schon machen? Rechtfertigungen, Richtigstellungen und Reaktionen werden ihnen verwehrt. Können sie auf einen Verriss im Feuilleton einer Zeitung wenigstens noch per Leserbrief antworten, müssen sie bei Amazon ohnmächtig mitansehen, was Hobby-Rezensenten sich zusammenspinnen, um ein Buch in den Dreck zu ziehen. Und wer möchte schon die beleidigte Leberwurst spielen.

Statt heimlich, still und leise den Groll über eine Amazon-Kundenrezension runterzuschlucken und zu hoffen, andere unbedarfte Leser würden schon eine bemühte, fundierte Kritik von einer drastischen Beleidigung oder gedankenlosen Herabwürdigung unterscheiden können, ist dem Wurst-Papst Wolfgang Müller nun aber der Kragen geplatzt.

Hielt seinen Kritikern eine Gardinenpredigt — Wolfgang Müller

Ein gewisser „Amazon Customer“ hatte auf der Seite, die Müllers neues Kochbuch Schwein von Kopf bis Fuß offeriert, behauptet, „dieses Buch ist an Perversion kaum zu überbieten“, und an Leser appelliert: „Leute wacht auf und lasst endlich die Viecher in Ruhe.“ Das brachte bei dem ehemaligen Geflügel-Weltmeister, dem es darum geht, dass alles vom Tier verwertet und zu tollen Gerichten verarbeitet werden kann, das Fass zum Überlaufen. Per Video wandte Müller sich an seine Facebook-Freunde und antwortete dem anonymen Amazon-Kunden: „Was’n mit dir los? Vielleicht sitzt du gerade auf der Wiese und kaust ein Kleeblatt … Und dann meint ihr alle, ihr könnt die Welt verändern. Gar nichts tut ihr! Ihr macht die Augen zu und haut euch stattdessen irgendwelchen Soja … in den Kopf.“
Und wo er schon mal dabei war, Luft abzulassen, wandte Müller sich gleich auch noch an „die andere Fraktion“, der alles egal sei und die Fleisch esse, als ob es morgen nichts mehr gäbe: „Ihr macht euch überhaupt keine Gedanken, wo was herkommt, wie was aufgezogen wird, wie es gehalten wird und ob das Schwein, das Lebewesen oder Rind ein glückliches Leben hatte. Ihr seid pervers!“

Dass er und seine Kollegen — Züchter, Metzger, Bauern, Landwirte und Köche — plötzlich die Buhmänner sein sollen, weil sie ganze Tiere verarbeiten, wollte er nicht unkommentiert stehen lassen: „Ich kann nur sagen: Wir verändern was. Wir machen uns Gedanken, wo was herkommt, wie es aufgezogen wurde, wie es geschlachtet und wie es verarbeitet wird. Respekt vor dem Tier! Das ganze Tier ist ein Edelteil. Und das solltet ihr mal überdenken.“

Offenbar sprach Müller damit manch einem aus dem Herzen. Einen Tag, nachdem er seine Wutrede gepostet hatte, war sie bereits 128 Mal geteilt und 60 Mal kommentiert worden.