Alltagsrassismus

Als Markenzeichen gibt es den Sarotti-Mohren schon seit 15 Jahren nicht mehr. Trotzdem ist jetzt in Mannheim ein Streit darüber entbrannt.

Über der Theke des Mannheimer Kulturzentrums Capitol prangen zwei Mohren-Embleme, die zu erbitterten Diskussionen nicht nur in Mannheim, sondern auch im Internet geführt haben. „Für die einen ist der kleine schwarze Kerl mit Pluderhose, Schnabelschuhen und Tablett eine süße Kindheitserinnerung an Schokoladengenuss – für andere ist der ,Sarotti-Mohr‘ ein kolonialrassistisches Symbol und Zeichen mangelnden Feingefühls gegenüber schwarzen Menschen“, heißt es in einer dpa-Meldung, die von zahlreichen Tageszeitungen verbreitet wurde.

Die Firma Stollwerck aus Norderstedt, die Sarotti-Schokolade herstellt, will sich an dieser Diskussion jedoch nicht beteiligen. Sie hält den Rassismus-Vorwurf für eine „fragwürdige Interpretation“ und weist darauf hin, dass der „Sarotti-Mohr“ schon seit 2004 nicht mehr als Markenzeichen verwendet wird und durch einen auf einer Mondsichel balancierenden Magier mit goldener Haut, der nach den Sternen greift, ersetzt wurde.

Über das Markenzeichen von Sarotti wurden sogar schon Bücher geschrieben

Die Geschichte des umstrittenen Markenzeichens reicht zurück in das Jahr 1852, als Heinrich Ludwig Neumann und sein Sohn Louis die Confiseur-Waren-Handlung Felix & Sarotti in der Berliner Friedrichstraße eröffneten. Eine luxuriöse orientalische Dekoration unterstrich damals „die Opulenz der angebotenen Leckereien“, wie es auf der Website von Sarotti heißt. Zwanzig Jahre später übernahm der Konditor Hugo Hoffmann den Laden und verlegte ihn in die Mohrenstraße. „Deren Name inspirierte vermutlich auch zur späteren Wahl des Mohren im Warenzeichen.“


Anfangs zierte noch ein Bär die Pralinenschachteln von Sarotti. Zum 50-jährigen Firmenjubiläum wurde aber ein neues Markenzeichen angemeldet: drei Mohren mit Tablett, das eine Pralinenauswahl als „Drei-Mohren-Mischung“ bewarb. Nach der Übernahme von Sarotti, das zwischendurch dem Nestlé-Konzern gehörte, durch Stollwerck 1998 erschien eine Reihe von Nostalgie-Verpackungen, die die Liebe zum Sarotti-Mohren neu entfachte. Stollwerck verwandelte den Mohren dann jedoch in einen Magier, der die Tradition des Zeichentrick-Mohren als Ansager für Kinderserien wieder aufleben ließ.

Während der Begriff „Mohr“ laut Sarotti „keinen negativen Beigeschmack“ habe, ist der Sprachwissenschaftler Henning Lobin der Auffassung, dass der „Mohr“ sich mit der Zeit von einem eher neutral verwendeten Wort in ein abfälliges verwandelt habe. Weshalb der Ausländerbeirat von Frankfurt/Main im vergangenen Jahr die Umbenennung zweier „Mohren-Apotheken“ forderte und in den Niederlanden die Helfer des Nikolaus, die schwarz geschminkten „Zwarten Pieten“ („Schwarzer Peter“), nunmehr als Ausdruck von Rassismus gelten.

Dessen ungeachtet kommen die drei Mohren, die das Markenzeichen von Machwitz-Kaffee darstellen, bislang ungeschoren davon. Aber wie lange noch?