Chronik der Woche

The Art of Fake Food. Ein unverwüstlicher Kühlschrank. Der erste Milch-Sommelier der Welt. Wildwuchs expandiert. Und Green Chic erobert die Barszene. Die letzten zwei Wochen im Überblick.

Ist das Fake Food oder kann man das essen? Ein Workshop vermittelt nun auch Touristen, wie man eine Ess-Attrappe aus Plastik modellieren kann, die täuschend ähnlich wie ein richtiges Essen aussieht. Wobei es natürlich nicht darum geht, seinen Gästen ein Mahl aus Plastik zu servieren. Vielmehr zeigen japanische Wirte auf diese Weise ihren Gästen, wie ein Essen aussieht, das sie später auf den Tisch bekommen. Shokuhin Sanpuru, so der japanische Name für Fake Food, wurde bereits 1920 erfunden, als es noch keine Farbfotos gab.

Definitiv kein Fake Food

Unverwüstlicher Kühlschrank

Nach heftigen Stürmen und Überschwemmungen im US-Bundesstaat Nebraska machten sich Kyle Simpson und sein Freund Gayland Stouffer in der Nähe von Schuyler daran, das Farmland von Schlamm und Dreck zu befreien — und entdeckten mitten auf einem Feld einen Kühlschrank, der dort angeschwemmt worden und bis zum Rand mit Bierdosen gefüllt war. Nachdem Simpson Fotos davon auf Facebook gepostet hatte, meldete sich der Besitzer des Kühlschranks bei ihnen, Brian Healy, der sechs Kilometer weit weg vom Fundort lebt. Der Kühlschrank sei stets mit seinem Lieblingsbier und dem seines Vaters gefüllt, erzählte Healy der Lokalzeitung. Und er hatte auch schon einen Brand in der Hütte seiner Familie überlebt.

Der erste Milch-Sommelier

Nach Wein-, Bier- und Brot-Sommeliers gibt es mit Bas de Groot nun auch den ersten Milch-Sommelier. Denn so wie Wein, begründete der Niederländer seine Berufsbezeichnung im SZ-Magazin, habe auch Milch „Terroir“. Schließlich sei Terroir „die Gesamtheit aus allen Faktoren, wie Boden oder Klima, die einem Produkt seinen Charakter geben“.  Zu diesem Beruf war der leidenschaftliche Milchtrinker gekommen, als er der Frage nachging, warum Milch immer gleich schmeckt, egal zu welcher Jahreszeit und egal woher sie kommt. De Groot kann zwar nicht erkennen, was eine Kuh gefressen hat, wohl aber, ob eine Kuh ausschließlich auf der Weide gegrast hat. „Das gibt eine schöne Himbeernote.“ Die Milch einer Kuh, die auf einer Blumenwiese weidet, schmecke zudem anders als die einer Kuh, die geschnittenes Gras frisst. Da in der Landwirtschaft dem Futter immer mehr Power-Gras mit einem hohen Proteingehalt beigegeben wird, könne bei den meisten Milchprodukten von Himbeergeschmack allerdings keine Rede mehr sein.

Auch Milch hat Terroir

Wildwuchs wächst

Expandieren will die Hamburger Bio-Brauerei Wildwuchs und hat deshalb im Stadtteil Wilhelmsburg eine neue Sudanlage errichtet. Wildwuchs baut ihren eigenen Hopfen in Finkenwerder an, das Feld reicht allerdings gerade mal für 3000 Liter Bier. Der Rest wird bislang noch von einem Bio-Hopfen-Bauern aus Baden-Württemberg dazugekauft. Das gilt auch für Bio-Gerste, die es in Norddeutschland gar nicht gibt. Angefangen hat Wildwuchs 2014 mit 40 Hektolitern, in diesem Jahr sollen es 1200 Hektoliter werden. Mit den großen Bierkonzernen will Bierbrauer Fiete Matthies, der sein Handwerk bei der Radeberger Gruppe gelernt hat, es aber gar nicht erst aufnehmen, wie er im „Hamburger Abendblatt“ verkündete: „Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als dass unser Bier einmal im Hofbräuhaus in München ausgeschenkt wird.“

Auf der Gastro Vision ist Tom Cruise schon lange out

Green Chic

Um den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen wie Wasser oder Obstabfällen geht es einer neuen Generation von Bartendern,  die voll auf „Green Chic“ setzt. Statt mit weit geöffnetem Hemd wie Tom Cruise im Film „Cocktail“ Schnapsflaschen zu jonglieren, setzen auch sie nun verstärkt auf Nachhaltigkeit. „Wie in guten Restaurants“, so Lorraine Haist in der SZ, arbeite man nun auch in Bars mit saisonalen Karten und lokalen Produkten, mache Sirup oder Limoncello aus der Schale ausgepresster Zitronen und ersetze Papierservietten durch wiederverwendbare oder kompostierbare Alternativen“.