Der Handel wartet nicht länger auf Godot

Nachdem sich die Supermarktketten Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl und Rewe darauf geeinigt haben, Rind- und Schweinefleisch sowie Geflügel einheitlich zu kennzeichen, rechnet kaum noch jemand damit, dass aus dem geplanten staatlichen Tierwohl-Label noch mal etwas wird.

Das Bundesagrarministerium arbeitet schon seit vier Jahren an einer freiwilligen Kennzeichnung von Fleisch und Geflügel. Doch der Handel wolle nicht länger auf Godot warten, spottete die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Die Grünen), nachdem Aldi & Co. mit ihrem Haltungsform-Label in dieser Woche vorangeprescht sind. Die einheitliche Kennzeichnung der Supermarktketten und Discounter sieht vier Stufen vor: „Stallhaltung“ entspricht nur den gesetzlichen Anforderungen, „Stallhaltung plus“ kennzeichnet Fleisch von Tieren, die mehr Platz bei der Aufzucht hatten, „Außenklima“ zeigt an, dass die Tiere noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt hatten, und „Premium“ signalisiert dem Verbraucher, dass sie außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien hatten; in diese Stufe soll auch Bio-Fleisch eingeordnet werden.

                           

Während Künast das neue Gemeinschafts-Logo begrüßte, bezeichnete die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch es als „Mogelpackung“. Verbrauchern würde so vorgegaukelt, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Ställen maßgeblich verbessern, sagte Foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt der FAZ. Es gehe dabei allein um formale Haltungsbedingungen, was keineswegs eine Garantie dafür sei, dass es den Tieren auch gut gehe.

Beste Haltungsnoten — Osnabrücker Friedensschinken von Bedford

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hält jedoch weiterhin an ihrem geplanten staatlichen Label fest, das 2020 verabschiedet werden soll. Denn das staatliche Kennzeichen werde nicht nur die Haltung im Stall im Blick haben, sondern auch die Aufzucht, den Transport und die Schlachtung. Dass Bauern nur freiwillig teilnehmen sollen, hält Foodwatch allerdings schon jetzt für ausgemachten Schmarrn: „Mitmachen werden nur die Betriebe, die ohnehin schon gute Arbeit leisten.“ Um das Wohl der Tiere in allen Ställen zu verbessern, bedürfe es nicht eines weiteren freiwilligen Siegels, sondern gesetzlicher Vorgaben.