Die Chronik der Woche

In Großbritannien sind Eichhörnchen der letzte Schrei. Dem Bio-Fachhandel geht es gut. Statt Briefmarken sammeln Hipster nun Craft-Biere. Und im Münchener Tantris kann man das Outfit der Kellner nicht mehr von den Vorhängen auf dem Damenklo unterscheiden. Die Woche im Überblick.

Eichhörnchen schmecken fast genauso wie Kaninchen, das findet der Londoner Koch Ivan Tisdall-Downes, der in seinem Restaurant beispielsweise eine Grauhörnchenlasagne anbietet. Auch der Sterne-Koch Kevin Tickle ist von dem neuen Trend überzeugt. Bereits seit 2016 steht bei ihm „Critter Fritter“, eine mit Eichhörnchenfleisch gefüllte Krokette, auf der Karte. Kein Gast habe sich deshalb je beschwert. Seine Gäste fänden es vielmehr „ziemlich aufregend“. Außerdem, so die Welt kompakt, profitiere der Trend von der Paleo-Diät, die auf den Verzehr von wildem Fleisch setze. Vor dem Hintergrund der Grauhörnchenplage, unter der Großbritannien leidet, kann man einem Scheitern oder Gelingen des Brexit somit zuversichtlich entgegensehen.

Paleo-Diät mit Wildschweinschinken von Wiberg

Der Bio-Fachhandel lebt!

Allen Unkenrufen zum Trotz, dass Discounter und Supermarktketten die Existenz kleiner Naturkostläden mit ihrem Bio-Sortiment gefährdeten, ist der Umsatz des Bio-Fachhandels im vergangenen Jahr um über 5 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro gestiegen. Der Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN), Elke Röder, zufolge, konnten die rund 2500 Naturkostläden im vergangenen Jahr ihr Wachstum verdoppeln. Als Grund dafür nennt sie im Spiegel den Wunsch vieler Kunden, dass zum Beispiel Trockenprodukte in mitgebrachte Behältnisse abgefüllt werden. Zudem gebe es „Preiseinstiegsmarken“, sodass Bio-Produkte auch für weniger betuchte Konsumenten erschwinglich seien.  Um sich Bio leisten zu können, müsse man aber selbst viel kochen und den Außerhausverzehr reduzieren.

Neue Sammlerleidenschaft — Bier statt Briefmarken

Bier statt Briefmarken

In grauer Vorzeit sammelte man Briefmarken, heute sind es Craft-Biere wie ein Belgian Ale aus Oregon, „das mit kultivierten Hefen, extrahiert aus den Barthaaren des Brauers, gebraut wird”, ein Imperial Oatmeal Milk Stout mit „natürlichem Zimtschneckenextrakt“ aus Norddeutschland oder ein fränkisches Eisbock-Bier mit einem Alkoholgehalt von 57 Prozent. In der Craft-Beer-Szene stehe aber nicht das Betrunkensein im Vordergrund, „sondern der Genuss und das Interesse an Braustilen“, wie der Mainzer Bier-Hipster Moritz Hefner in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erläutert. Die Craft-Bier-Fans tauschen untereinander Biere, treffen sich auf internationalen Messen und vernetzen sich über Apps und Plattformen wie „Untappd“ und „Ratebeer“, wo sie Biere vorstellen, prüfen und bewerten.

Auch Trauth Fabrikate, die Förderpreisgewinner 2018 der Gastro Vision, profitieren vom Trend zum Fine Dining

Corporate Identity

„Fine Dining“ ist das neue Zauberwort der Gastronomie-Szene. Weil er sich immer gefragt habe, warum die Kleidung von Servicekräften so wirke, als hätten sie nichts mit dem Restaurant zu tun, in dem sie bedienen, hat sich der Däne Morten Thuesen mit der italienischen Designerin Letizia Caramia zusammengetan, die auf Berufskleidung für Restaurants und Hotels spezialisiert ist, und in Paris das Atelier Older eröffnet. Mittlerweile sei der Trend, so die Süddeutsche Zeitung, auch in Deutschland angekommen. Im Münchener Edel-Restaurant Tantris trägt das Personal bereits seit einem halben Jahr Kleidung im selben Klatschmohnmuster, mit dem auch die Vorhänge auf den Toiletten bedruckt sind.