Chronik der Woche

Lemonaid soll mehr Zucker enthalten. Bio-Lebensmittel schützen vor Krebs. Foodwatch will unhygienische Zustände in Restaurants publik machen. Und Franck Ribéry steht auf Blattgold-Steaks. Die Woche im Überblick.

Es ist erst ein paar Monate her, dass die ehemalige Weinkönigin und aktuelle Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) stolz verkündete, sie habe sich mit der Getränke-Industrie darauf geeinigt, den Zucker in Limonaden bis 2025 um 15 Prozent zu reduzieren. Nur beim Fachamt Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt in Hamburg-Mitte hat man davon wohl noch nie gehört. Denn das wies die Fairtrade-Marke Lemonaid in einem Schreiben, wie auf der Website von Lemonaid auszugsweise zu lesen ist, vor kurzem darauf hin, dass eine Flasche Lemonaid nur sechs Prozent Zucker enthalte — und deshalb nicht mehr als Limonade bezeichnet werden dürfe. Was der Lemonaid-Gründer Felix Langguth im Spiegel höchst „absurd“ fand: „Wir verkaufen seit Jahren unsere Getränke mit weniger Zucker, und nun sollen wir unserem Produkt mehr Zucker zusetzen, damit wir es weiterhin als Limonade verkaufen dürfen.“ Da eine Beschreibung von Lemonaid als „Erfrischungsgetränk“ statt als Limonade keine Option sei, wollte das Unternehmen notfalls gegen diese bürokratische Posse klagen. Auf seiner Homepage gab sich Lemonaid aber sehr versöhnlich und appellierte an die Vernunft der Bürokraten: „Seid so süß und ändert die Richtlinie. Natürliche Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden – sondern der Normalfall sein.“
Mit Erfolg. Die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) ruderte daraufhin zurück und will sich nun auf Bundesebene dafür einsetzen, „dass die Leitsätze für Lebensmittel hinsichtlich möglicher gesundheitsschädlicher Mindestgehalte überprüft werden“. Der aktuelle Fall zeige, dass die Leitsätze für Erfrischungsgetränke nicht nachvollziehbar seien und die Strategie zur Zuckervermeidung konterkarierten. Es sei „ein Stück aus dem Tollhaus“, dass Leitsätze der Kommission für Lebensmittel zwar den Begriff Limonade schützen wollten, dadurch aber gleichzeitig der Reduzierung von Zucker entgegenwirkten. Die Kommission war’s also, das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat keine Schuld, und alles wird gut.

Trinken hilft — auch gegen Bürokratie-Monster?

Bio schützt vor Krebs

Einer Studie der Université Paris zufolge sinkt das Risiko, an Krebs zu erkranken, um etwa 25 Prozent, wenn man besonders häufig Bio-Lebensmittel verzehrt. Es sei zwar schwierig, „den Einfluss der Ernährung auf die Krebsentstehung zu untersuchen, einfach weil die Ernährung so schwer messbar ist“, meint Tilman Kühn vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) auf Spiegel Online. Die NutriNet-Santé-Studie ergab jedoch, dass diejenigen Teilnehmer, die sich bio ernährten, ein geringeres Risiko für Brustkrebs nach der Menopause oder für Lymphome aufwiesen. Die Forscher erklärten den schützenden Effekt damit, dass Bio-Lebensmittel weniger Pestizidrückstände enthielten. Der häufige Verzehr von rotem Fleisch würde mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko in Verbindung gebracht, ein hoher Ballaststoff-Anteil in der Nahrung scheine hingegen davor zu schützen, sagte Kühn. Übergewicht beeinflusse jedoch nachweislich das Krebsrisiko. 2018 wurden etwa 30.000 Erkrankungen auf ein zu hohes Gewicht zurückgeführt. 165.000 Krebsfälle wären in Deutschland vermeidbar gewesen — durch Rauchverzicht, eine gesündere Ernährung oder mehr Sport. Wie sang doch einst Marius Müller-Westernhagen: „Ich bin froh, dass ich kein Dicker bin, denn dick sein ist ’ne Quälerei.“

Bio-Lebensmittel schützen vor Krebs

Topf Secret

Die Verbrauchervereinigung Foodwatch und die Transparenz-Initiative „Frag Den Staat“ wollen in Kürze auf einem neuen Portal die Ergebnisse amtlicher Lebensmittelkontrollen veröffentlichen. Verbraucher sollen so herausfinden können, wie es um die Hygiene in Restaurants, Imbissbuden oder Bäckereien bestellt ist. Name des geplanten Portals: Topf Secret. Der DEHOGA-Bundesverband hält die Foodwatch-Initiative für „reinsten Populismus”, wie die AHGZ berichtet. „Eine solche Plattform ist in höchstem Maße rechtlich fragwürdig“, findet Ingrid Hartges, die Hauptgeschäftsführerin des Verbands. Wenn Gastronomen an den Pranger gestellt werden, würden ihre berufliche Existenz und Arbeitsplätze gefährdet werden. Veröffentlichungen über Hygienemängel dürften nur seitens der Landesbehörden in den gesetzlich zugelassenen Grenzen erfolgen.

„Dekadente Schwachsinnsküche“

Nachdem Franck Ribéry in einem Restaurant in Dubai ein mit Blattgold überzogenes Steak gegessen und ein Video davon gepostet hatte, war die Aufregung groß. Nicht nur, weil er Kritikern, die dem Stürmer des FC Bayern München vorwarfen, damit anzugeben, barsch antwortete: „Fick deinen Stammbaum!“ Sondern auch, weil die Verzierung eines Steaks mit Blattgold „eine dekadente Schwachsinnsküche“ sei, wie die Köchin Sarah Wiener gegenüber dpa zu Protokoll gab. Auch nach Ansicht von Alfons Schuhbeck, dem Mannschaftskoch des FC Bayern München, habe Blattgold „nichts mit kulinarischem Mehrwert oder gutem Geschmack“ zu tun, „sondern nur mit schillernden Vorlieben der Bling-Bling-Gesellschaft“.