Farben als Geschmacksverstärker

Farben beeinflussen unseren Geschmackssinn und unsere Essgewohnheiten mehr, als bislang bekannt war. Kommt jetzt die Blaue-Teller-Diät?

Ein Riesling schmeckt fruchtig, leicht und trocken, wenn er in einem Raum mit weißem Licht getrunken wird. Bei rotem Licht kommt er uns fruchtiger und süßer vor, bei grünem sauer und unreif und bei blauem Licht wässrig. Bei gelbem Licht schmeckt er hingegen harmonisch und ausbalanciert zwischen süß und sauer. Das will der Winzer Ulrich Allendorf bei einer Weinprobe in Oestrich-Winkel im Rheingau herausgefunden haben — behauptet zumindest die FAZ-Autorin Leonie Krzistetzko in einem durchaus lesenswerten Beitrag: „Wer blaue Teller benutzt, isst weniger”.

Auch sonst beeinflussen Farben unseren Geschmack. Wenn Fleisch bläulich angestrahlt wird, ekeln wir uns davor, weil wir denken, es sei vergammelt. Rotgefärbter Joghurt schmeckt angeblich beeriger als weißer. Und grüne Äpfel assoziieren wir mit einem säuerlichen Geschmack.

Darüber, ob unsere Geschmackserwartungen individuell gelernt werden, wie die Psychologin Kathrin Ohla vom Forschungszentrum Jülich meint, oder ob sie genetisch bedingt sind, wie der Farbpsychologe Harald Braem glaubt, streiten sich die Experten noch. Einig sind sich die Lebensmittelindustrie, Supermärkte und Fast-Food-Restaurants jedoch darin, dass Farben unseren Geschmackssinn beeinflussen. „An Fleischtheken wird Rotlicht genutzt, damit das Fleisch frischer und saftiger aussieht“, so Braeme in der FAZ, und Kaffee in dunklen Verpackungen werde als stärker eingeschätzt, als er es tatsächlich ist.

Weiße Teller unseres Ausstellers Churchill verstärken den Geschmack, Speisen auf blauen machen schneller satt

Dabei käme es nicht allein darauf an, was man esse, sondern auch auf die Farbe des Geschirrs. Wer von blauen Tellern speise, werde schneller satt, weil Blau mit Entspannung und Entschleunigung verbunden wird; man esse dann langsamer und weniger als von weißen Tellern, die den Geschmack verstärkten. Ein Faktor, den man sich auch bei einer Diät zu Nutze machen könne.

Aber wie? Soll man etwa auf Bananen und Tomaten verzichten, weil die Farben Gelb und Rot den Appetit anregen und Rot einen dazu verführt, schneller zu essen (weshalb auch Fastfood-Restaurants diese Farbe bevorzugt einsetzten). Oder gar Fleisch bläulich beleuchten, damit man gar nicht erst in Versuchung gerät, es zu verzehren?

Keine Angst, Leonie Krzistetzko gibt Entwarnung: Wer eine gesunde Ernährung anstrebe, sollte sich nicht allein auf Farben verlassen. Statt sich auf Tricks mit Farben zu kaprizieren, solle man sich lieber bewusst ernähren. „Und wenn Farben einen dabei unterstützen, umso besser.“

Titelfoto: Ambience Holi Red von ARC International France SAS