Jahresrückblick (5)

Kassenlose Supermärkte waren der Clou des Jahres. Bioland kooperiert nun mit Lidl. Foodwatch verteilte wieder Goldene Windbeutel. Und der FC St. Pauli sorgte für den Marketing-Gag des Jahres.

In Seattle eröffnete der Online-Versandhändler Amazon ein Geschäft für Lebensmittel, das ganz ohne Verkäufer und Kassierer auskommt. Unser rasender Reporter Klaus Klische machte sich daraufhin auf den Weg, um sich den Laden vor Ort anzusehen, und war begeistert: „Tausende von Sensoren erkennen, was man aus dem Regal nimmt und in die Einkaufstasche legt. Und ich gehe fest davon aus, das Amazon bereits an Lösungen arbeitet, wie man zukünftig auch ,lose‘ Waren berechnen kann, zum Beispiel über eine Wagenanbindung, die dann das individuell abgewogene Gemüse oder Obst berechnet. Also nix mehr mit Kunststoff.” Kassenlose Supermärkte gab es am Jahresende aber auch schon im Saarland.

Kassenloser Supermarkt in Seattle

Hütten’s Handwerk aus Celle wurde im Juni von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zum „kulinarischen Botschafter” ernannt. Mit den Auszeichnungen  will MP Weil die Vielfalt regionaltypischer Spezialitäten fördern und erhalten.

Neu im diplomatischen Dienst — Sven und Petra Hütten

Jahrzehntelang waren Aldi-Kunden anhand ihrer Tüten zu erkennen, die der abstrakte Maler Gunter Fruhtrunk zu Beginn der 1970er-Jahre entworfen hatte. Dann zog auch Aldi-Süd sie im August sang- und klanglos aus dem Verkehr und ersetzte sie beispielsweise durch eine Manuel-Neuer-Tasche, die an die konkret-konstruktive Kunst der frühen 1970er-Jahre aber nicht heranreicht und zudem 79 Cent kostet. Die Original-Aldi-Tüte erzielt mittlerweile auf eBay locker doppelt so viel.

Konkret-konstruktive Kunst der frühen 70er Jahre

Die Hamburger Drogeriemarktkette Budnikowsky eröffnete in Berlin ihre erste Filiale, die nicht nur Kosmetika anbietet, sondern auch Kaffee ausschenkt und zum nachbarschaftlichen Hot Spot werden will. Damit lag sie voll im Trend: Immer mehr Retailer, wie die Einzelhändler nunmehr heißen, weiten ihre Angebote aus und bieten auch Getränke und Snacks an.

Nachbarschaftlicher Hot Spot von Budnikowsky

Den Marketing-Gag des Jahres kann der FC St. Pauli für sich verbuchen, der im November ein Duschgel unter dem Namen Anti-Fa herausbrachte und so die Seife „Fa¡ verballhornte.  „Der Verkauf eines Duschgels mit dem Produktnamen Anti-Fa beziehungsweise die Verbindung des Begriffs Anti mit einem unserer Markennamen ist grundsätzlich nicht in unserem Sinne“, ließ der Henkel-Konzern verlauten, verzichtete aber bislang auf rechtliche Schritte, um den Verkauf des Anti-Fa-Duschgels zu unterbinden.

Der Geruch der Straße

Nachdem der Discounter Lidl eine Kooperation mit Bioland angekündigt hatte, wurde der Verband für ökologischen Landbau immer wieder gefragt, ob er zum Feind übergelaufen sei. Im Interview mit „Spiegel Online“ rechtfertigte sich der Bioland-Chef Jan Plagge, indem er ausplauderte, warum man 18 Monate benötigt habe, um eine Kooperation einzugehen: „Ich war der Meinung, die können nicht nach unseren Prinzipien einkaufen, weil sie immer nur nach der billigsten Ware greifen und die Lieferanten gegeneinander ausspielen. Wir haben deren Wunsch nach Zusammenarbeit deshalb für eine Art Greenwashing-Kampagne gehalten. Dann haben wir aber gemerkt, dass bei denen ein langfristiges Veränderungsprojekt läuft, für das sie auf ökologische und heimische Produzenten setzen.”

Zum Feind übergelaufen?

Mit dem Goldenen Windbeutel zeichnete die Verbraucherorganisation Foodwatch in diesem Jahr das Glacéau Smartwater von Coca-Cola aus. Dass Premium-Mineralwasser verspricht einen besonders „frischen und klaren“ Geschmack, der von den Wolken inspiriert werde, die aus Wasserverdampfung und Kondensation entstünden. Das Wasser wird dabei zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen. Verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. Diesen ernährungsphysiologisch recht unnützen Vorgang bezahlt der Verbraucher: Mit 1,65 Euro pro Liter ist das „Smartwater“ bis zu sieben Mal teurer als gewöhnliches Mineralwasser.

Goldener Windbeutel für Smartwater

Milch statt Cola sollen nun die Anhänger der AfD trinken, nachdem sich Coca-Cola, Pepsi, Fritz-, afri-, Premium- und Vita-Cola deutlicher als das Innenministerium von der Partei  der neuen Rechten und alten Nazis distanziert und sich eine parteipolitische Vereinnahmung durch die AfD verbeten haben.

Schön, dass Bernd Hocke von der AfD sich nun auch  für Homosexuelle einsetzt

Teil 1 unseres Jahresrückblicks können Sie hier nachlesen. Teil 2 über das Sommermärchen für Brauereien hier. Teil 3 über Köche und Küchen hier. Und Teil 4 über Gerichtsurteile und Abmahnungen hier.