Jahresrückblick (4)

Lammsbräu mahnte Volvic ab, Foodwatch Landliebe und auch sonst trafen sich 2018 Produzenten von Lebensmitteln und Getränken oft vor Gericht.

Mit jeder verkauften Flasche fördert Lemonaid soziale Projekte in den Anbauregionen, aus denen es seine Zutaten bezieht. Als der Discounter Lidl eine ähnlich aussehende Limonade auf den Markt brachte, war der Lemonaid-Gründer Paul Bethke jedoch erzürnt: „Gleiche Optik – gänzlich anderer Inhalt.“ Denn die Lidl-Limo hatte seiner Meinung nach weder mit Bio noch mit Fairtrade zu tun, sondern enthielt viel Zucker, Farbstoffe und Säuerungsmittel – sozialer Beitrag gleich null. Bei der besagten Limonade handelte es sich jedoch nur um ein Aktionsprodukt, das Mitte Juli für einen begrenzten Zeitraum in einigen Regionen Deutschlands erhältlich war und mittlerweile nicht mehr in den Lidl-Filialen angeboten wird. Somit landete der Streit ausnahmsweise mal nicht vor Gericht.

Wegen Verletzung des Patentrechts musste sich Lidl jedoch vor einem Gericht in der spanischen Provinz Valencia verantworten. Der Unternehmer Andoni Monforte warf dem Discounter vor, seinen Veggie Drinks Maker, mit dem sich vegane Milch herstellen lässt, exakt nachgebaut zu haben und ihn als „Ernesto — Veggie Drink Maker” für ein Zehntel des Preises, statt 40 Euro für 4,99 – 9,99 Euro anzubieten. In der taz beschwerte sich Monforte: „Während wir die Entwicklungskosten umlegen müssen und alles in Spanien und Frankreich produzieren, ist das Lidl-Gerät aus billigerem Material und kommt aus China.“

Trägt Volvic nur zum Schein ein Bio-Siegel?

Die Neumarkter Ökobrauerei Lammsbräu mahnte den Danone-Konzern ab, weil dessen Mineralwasser-Marke Volvic vorgibt, „Premiumwasser in Bio-Qualität“ zu enthalten. Volvic sei jedoch kein Bio-Mineralwasser, sondern trage „nur ein Schein-Bio-Siegel“. Im Hause Danone mochte man die Aufregung nicht verstehen, schließlich sei das Volvic-Siegel vom unabhängigen Fresenius-Institut vergeben worden, nach Erfüllung 97 strenger ökologischer und sozialer Prüfkriterien. Der Ökobrauerei zufolge ließen die Richtlinien von Fresenius jedoch genau so viele Rückstände von Pestiziden zu wie die derzeit geltenden Regelungen für konventionelles Mineralwasser.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wiederum mahnte den Schulmilchlieferanten Landliebe ab, weil er „jahrelang unzulässig Märchen über die vermeintlich positive Wirkung von Schokomilch verbreitet“ habe. Landliebe darf nun nicht mehr behaupten, dass Kakao die Intelligenz und Konzentration steigere und „geistig fit“ mache. Diese Angaben wurden bereits von den Internetseiten entfernt und auch eine abgemahnte Elternbroschüre wird nicht mehr verteilt.

Die Milch macht’s — aber nicht im Eierlikör

Eierlikör darf nur noch als solcher bezeichnet werden, wenn er ausschließlich die in einem EU-Gesetz aufgeführten Bestandteile enthält. Das entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg laut Spiegel Online, nachdem ein Likörhersteller ein Unternehmen aus Sachsen-Anhalt verklagt hatte, weil dessen Eierlikör auch Milch enthielt. Dem Urteil der EU-Richter zufolge darf Eierlikör lediglich Eigelb, Eiweiß, Zucker, Honig sowie Aromastoffe enthalten — und natürlich auch Alkohol. Andere Zusätze könnten Hersteller dazu verleiten, „zulasten eines fairen Wettbewerbs und des Verbraucherschutzes billigere Bestandteile zuzusetzen“, hieß es in der Begründung.

Buchenbach liegt nicht in Schottland

Der Rechtsstreit um den schwäbischen Whisky Glen Buchenbach wurde derweil vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) an das Landgericht Hamburg zurückverwiesen, das nun darüber zu entscheiden hat, ob der „Durchschnittsverbraucher unmittelbar an Scotch Whisky denke, wenn er Glen lese“. Die kleine Brennerei wird von der Scotch Whisky Association (SdWA) verklagt, weil sie das gälische Wort Glen seit Jahren für ihren schwäbischen Whisky nutze und somit eine geschützte geografische Angabe für Scotch Whisky verwende. Die Waldhornbrennerei war sich jedoch keiner Schuld bewusst, da sie mit dem Wort Glen auf das Buchenbachtal verwies, das sich durch die Gemeinde Berglen zieht.

Teil 1 unseres Jahresrückblicks können Sie hier nachlesen. Teil 2 über das Sommermärchen für Brauereien hier. Und Teil 3 über Köche und Küchen hier.

Titelfoto: Wikipedia