Lokalverbot für AfD-Politikerin

Der AfD ist kein Anlass zu blöd, um sich als Opfer zu stilisieren. Jüngstes Beispiel: der Rauswurf ihrer bayrischen Fraktionsvorsitzenden aus der Goldenen Bar in München. 

Katrin Ebner-Steiner, die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bayerischen Landtag, wartete in der vergangenen Woche noch in der Goldenen Bar im Münchener Haus der Kunst auf ihre Seeforelle mit Ingwer-Gurken, als sie von einer Bar-Chefin aufgefordert wurde, das Lokal zu verlassen. Die Getränke, die sie und eine Freundin bestellt hatten, gingen aufs Haus. Und als Ebner-Steiner sich erkundigte, was denn mit der Erstattung der Parkgebühr in Höhe von sechs Euro sei, legte die Betreiberin einen Zehn-Euro-Schein auf den Tisch.

Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen und auf der Facebook-Seite der AfD Bayern empörten sich rechte Trolle sogleich über den Rauswurf, der sie an „damals“ erinnerte, „als man schon mal Menschen nicht bediente … oder bei ihnen kaufte“, und appellierten daran, nicht zuzulassen, „dass linke Faschisten entscheiden, wer am gesellschaftlichen Leben unter welchen Konditionen teilnehmen darf“.

Manch einer rief dazu auf, via TripAdvisor die „Goldene Bar“ schlecht zu bewerten oder sie gemeinsam zu besuchen und sich, wenn es ans Bezahlen geht, als AfDler erkennen zu geben, um die Rechnung zu sparen, obendrauf zehn Euro Trinkgeld zu erhalten und so die Bar in den Ruin zu treiben. Oder darin gar demonstrativ zu urinieren, um Migranten zu zeigen, wie nobel die Toiletten in Deutschland seien.

Auch in der Hamburger Bar Laundrette ist die AfD nicht willkommen

Da hilft es wohl wenig, darauf hinzuweisen, dass eine Wirtin das Recht hat, einen Gast hinauszuwerfen. Oder, wie das Kolja Reichert in der FAZ kommentierte, eine Wirtin auch in moralischer Hinsicht das Recht habe, einen Gast hinauszuwerfen, „der eine Politik mitträgt, die sich direkt gegen das Personal richtet, von dem er sich bedienen lassen wollte“. Der Rauswurf, so Reichert, sei mithin ein Realitätscheck und enthalte die Botschaft, „dass man sich nicht gleichzeitig der Annehmlichkeiten der postmigrantischen Gesellschaft bedienen und dieser fortwährend redend das Fundament entziehen“ könne: „Was ist ein Haus- gegen einen Landesverweis?“

Fanclub Breite Masse des FC St. Pauli — Kein Bier den Faschisten!

Der heutige Name der Bar, die 1937 bei der Eröffnung des „Hauses der Deutschen Kunst“ dem dortigen Restaurant angeschlossen wurde, bezieht sich übrigens auf Karl Heinz Dallingers Wandmalereien, die die Herkunft der dort ausgeschenkten Weine und Spirituosen in Form von Landkarten auf goldfarbigem Hintergrund darstellen. „Von den deutschen Weinregionen an zentraler Stelle spannt sich der Bogen über Europas Weinländer und die Britischen Inseln (Whiskey und Gin) bis in die Karibik (Rum und Tabak). Diese Malerei stand für Weltläufigkeit – ein wichtiger Faktor für die nationalsozialistischen Hausherren, die sich beispielsweise 1936 zur Olympiade in Berlin und 1937 auf der Pariser Weltausstellung international präsentierten.“ Damit, so die FAZ, wurde der rassistische Kern des nationalsozialistischen „Kunsttempels“, den die „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ bildeten, elegant verkleidet.

Vielleicht war dies ja der Grund, weshalb die Fraktionsvorsitzende der AfD Bayern ausgerechnet dort speisen wollte. Das wird man ja noch vermuten dürfen.