Chronik der Woche

Die Genossenschaften Edeka und Rewe sollen zerschlagen werden. Ferrero muss genauere Mengen auf Pralinenpackungen angeben. Eierlikör darf keine Milch enthalten. Und was sich die EU sonst noch in dieser Woche ausgedacht hat.

Eine geplante EU-Richtlinie, die von Europa-Abgeordneten der CDU/CSU unterstützt wird, gefährdet genossenschaftliche Geschäftsmodelle im Lebensmittelhandel – und damit auch Rewe und Edeka. Auf eine Anfrage eines FDP-Bundestagsabgeordneten erklärte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zwar, dass es den Änderungsantrag zum Verbot des Zusammenschlusses von Einzel- und Großhandel zu Einkaufsgenossenschaften nicht unterstütze. Ludwig Veltmann, der Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbundes, sieht  in der geplanten EU-Richtlinie jedoch eine Gefährdung der mittelständischen Wirtschaftsstruktur, „die von Genossenschaften und Kooperationen getragen ist und gerade kleinen und mittleren Handels- und Handwerksunternehmen das Überleben im Wettbewerb gegen Großunternehmen“ sichere.

EU-Politiker wollen Genossenschaften wie Rewe zerschlagen

EU-Schätzungen zufolge entstehen den Erzeugern jedes Jahr Schäden in Höhe von rund elf Milliarden Euro, weil Handelsketten Verträge nachträglich ändern oder Bestellungen kurzfristig stornieren. Die geplante Richtlinie soll nicht nur die Schwächsten in der Lebensmittellieferkette schützen, sondern auch milliardenschwere Lebensmittelproduzenten, wie Die Welt recherchiert hat. Betroffen wären davon auch Edeka und Rewe, die unter ihrem Dach Tausende kleine Einzelhändler vereinen, denen die Ernährungs- und Konsumgüterindustrie bessere Konditionen einräumt als einem einzelnen Dorfladen. Der Änderungsvorschlag des CSU-Europaabgeordneten Albert Deß ziele deshalb darauf ab, den Zusammenschluss von Einzel- und Großhandel, also das Grundprinzip von Genossenschaften, zu verbieten.

Pralinenzählerei

Der Süßwarenhersteller Ferrero muss künftig genauere Mengen auf seinen Pralinenpackungen angeben, berichtete wiederum die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Fall von Raffaello, der am Oberlandesgericht Frankfurt verhandelt wurde, ging es um eine Packung, bei der von außen zwar einzelne Pralinen, aber nicht deren konkrete Zahl erkennbar waren. Eine Gewichtsangabe auf der Unterseite hielten die Richter nicht für ausreichend und verlangten in ihrem Urteil eine Angabe zur Zahl der enthaltenen Einzelpralinen. Einer Lebensmittelinformationsverordnung der EU zufolge müssen auch bei einzeln verpackten Pralinen die Gesamtnettofüllmenge und die Gesamtzahl der Einzelverpackungen genannt werden.

Nicht betroffen vom Urteil des OLG Frankfurt — handgemachte Pralinen

Milch hat nichts im Eierlikör zu suchen

Eierlikör darf nur dann als solcher bezeichnet werden, wenn er ausschließlich die in einem EU-Gesetz aufgeführten Bestandteile enthält. Das entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg laut Spiegel Online, nachdem ein Likörhersteller ein Unternehmen aus Sachsen-Anhalt verklagt hatte, weil dessen Eierlikör auch Milch enthielt. Dem Urteil der EU-Richter zufolge darf Eierlikör lediglich Eigelb, Eiweiß, Zucker, Honig sowie Aromastoffe enthalten — und natürlich auch Alkohol. Andere Zusätze könnten Hersteller dazu verleiten, „zulasten eines fairen Wettbewerbs und des Verbraucherschutzes billigere Bestandteile zuzusetzen“, heißt es in der Begründung.

Die Milch macht’s — aber nicht im Eierlikör

Aufreger der Woche

Nach Informationen von Jean Gnatzig, dem Head of Silly Content des Satiremagazins Die Welt, hat der Deutsche Kantinenverband PAMPE  beschlossen, das  Büchsengericht Feine Sahne Fischfilet nicht mehr als Wahlessen neben Currywurst und Pommes, Schweineschnitzel mit Kartoffelsalat und Leber mit Püree anzubieten. „Um keine Proteste rechter Gruppierungen zu riskieren, mussten wir einfach handeln“, erläuterte Verbandssprecher Lorenz Manschmeyer die ungewöhnliche Maßnahme, das gelte vor allem in Bauhaus-Kantinen. „Dort soll man zukünftig ohne politische Belästigungen in Ruhe Königsberger Klopse oder Braten mit brauner Sauce essen können.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der wegen einer Konzertwerbung für die Band gleichen Namens in die Kritik geraten war, wolle indes ab sofort ausländischen Staatsgästen nur noch Feine Sahne Fischfilet bei Staatsbanketten servieren lassen.