Bittere Zeiten

Manch einem kommt der Gin Tonic schon aus den Ohren raus. Doch der Gin-Hype hält an — dank neuer Tonic-Sorten.

Selbst „Studentenkneipen”, so die „Hannoversche Allgemeine Zeitung”, haben inzwischen „30, 40 oder mehr Sorten im Angebot”. Doch ein Ende des Gin-Hypes sei noch immer nicht abzusehen. Denn mittlerweile gäbe es „in jeder noch so kleinen Stadt” gleich mehrere Sorten, die von flugs gegründeten Brennereien produziert würden.

North Sea Gin aus Kampen

Welche Marke sich (inter-) national auf dem Markt durchsetzt, hängt jedoch nicht mehr allein davon ab, welche Aromen dem Wacholder-Brand hinzugefügt werden, und auch nicht von der Verpackung, die „von großer, um nicht zu sagen: entscheidender Bedeutung” sei, wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” glaubt. Nach Meinung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erleben wir vielmehr gerade einen wahren Tonic-Water-Boom. Fast jeder dritte deutsche Haushalt hat im vergangenen Jahr mindestens ein Bittergetränk gekauft, und dieser Trend werde sich auch 2019 fortsetzen. Bitter ist das neue Süß.

In Großbritannien hat Fevertree kürzlich Schweppes als Marktführer abgelöst. Aber auch andere Getränkeproduzenten wollen künftig mitmischen. Coca-Cola will Fevertree mit seiner neuen Reihe „Royal Biss”, die aktuell in Hamburg und Berlin getestet wird, Konkurrenz machen. Und Gordons bietet den alkoholfreien Gin Tonic Wonderleaf nun auch in Portionsflaschen an.

Alkoholfreier Gin – jetzt auch in Portionsflaschen

Aber „brauchen wir echt Gin aus Südafrika?” Das fragt sich Stuart Pigott in der FAS — und hat natürlich eine Antwort parat: definitiv. Denn die Gins der Inverroche Distillery böten „tatsächlich einen besonderen Geschmack” und würden ganz anders riechen als herkömmliche Sorten, weil sie von Kräuter- und Blütennoten geprägt seien, die vom Fynbos stammten, „der genetisch vielfältigen einheimischen Vegetation der Kap-Küste”. Erstaunlicher findet Pigott nur noch die Marke „Blue” der Six Dogs Distillery. Seine tiefblaue Farbe beruhe auf blauen Erbsenblüten und verwandele sich beim Mischen mit Tonic zu Lila. Pur schmecke er nach Rosen, im Verbund mit Tonic Water dufte er aber nach tropischen Blüten und wirke sehr elegant.

Aber Vorsicht! Einer Studie der Universität Innsbruck zufolge weisen Menschen, die bittere Getränke mögen, „dunkle“ Persönlichkeitszüge auf. Sie streben rücksichtslos nach Macht, sind psychopathisch, sadistisch oder narzisstisch veranlagt.