Yogisches Essen

Ayurvedische Ernährung ist out. Und yogisches Essen ist in. Magazin-Redakteur Hollow Skai hat den Praxistest gemacht und isst seitdem nur noch, was seinen Geist nicht nach unten zieht.

Als ich noch nicht so viel Prana hatte, also Lebensenergie, fühlte ich mich nach dem Essen oft träge und klagte über einen vollen Bauch. Seit ich mich yogisch ernähre, nicht auch noch die Reste meiner Tischnachbarn aufesse und nur noch frisch geerntete Nahrungsmittel verzehre, die reich an Prana sind, bin ich jedoch wieder so quicklebendig und tatenkräftig wie in meiner Jugend. Nach dem Mittagessen kann ich es kaum abwarten, wieder loszulegen und meine Arbeit zu erledigen, die mir nun auch viel leichter von der Hand geht. Und auf der Straße pfeifen mir die schönsten Frauen wieder anerkennend hinterher.

Reich an Prana — Hollow Skai

Vorbei die Zeiten, da ich mich ayurvedisch, vegan oder vegetarisch ernährt habe, um meinen Astralkörper in einem gesunden Gleichgewicht zu halten. Es ist zwar nicht ganz einfach, sich yogisch zu ernähren, weil die Lebensmittel weder in der Mikrowelle erhitzt noch tiefgekühlt werden dürfen. Aber das ist es mir wert. So verschmähe ich auf Geschäftsreisen das Bordrestaurant eines Zuges, weil die Nahrung dort einfach nie frisch ist und der Salat zuvor industriell gewaschen wurde. Stattdessen esse ich lieber  eine Banane — aber auch nur, wenn die Banane mit einem Segelboot und nicht mit dem Flugzeug nach Europa transportiert wurde.
Auf Fleisch, Schalentiere, Eier und Hartkäse, Konserven und industriell hergestellte Nahrung, Frittiertes, Eingemachtes, Getrocknetes und Tiefgefrorenes muss ich zwar verzichten. Aber, hey, dafür hat yogisches Essen nicht nur eine körperliche Funktion, sondern auch eine geistige und spirituelle Dimension, wie Garlone Bardel in ihrem „Yoga Kochbuch” schreibt. Und wenn ich so weitermache, werde ich bestimmt noch so alt wie der Indonesier Mbah Gotho, 145, so weise wie Stephen Hawking und der Dalai Lama und so fit wie Bigfoot, der Yeti oder das Monster von Loch Ness.

Mein 20 Jahre jüngerer Chef war jedenfalls erst kürzlich nachhaltig irritiert, als ich bereits vor ihm im Büro war. Das hatte er in all den Jahren noch nie erlebt. Statt mit einem Bier darauf anzustoßen, teilte er einen handgepflückten Apfel von einer Streuwiese mit mir.

Garlone Bardel — Yoga Kochbuch (at Verlag, 296 Seiten, Euro 29,–)