Chronik der Woche(n)

In Eritrea wurde ein Trinkwasser-Brunnen gebaut. Englischer Sekt macht dem Champagner Konkurrenz. Bioland kooperiert mit Lidl. Doch beim Bier hört der Spaß auf. Die vergangenen 14 Tage im Überblick.

Ein Trikot des Fußball-Profis Neven Subotic, das auf der Gastro Vision 2016 von ihm signiert und anschließend versteigert wurde, sorgte dafür, dass in Eritrea ein weiterer Brunnen gebaut werden konnte. Der Erlös der Versteigerung war damals von der Einkaufsgesellschaft progros aufgerundet worden, die 6.000 Euro an die Neven-Subotic-Stiftung überwies. Der neue Brunnen versorgt 150 in Walka Keshi lebende Menschen mit sauberem Trinkwasser, worüber sich der progros-Geschäftsführer Joe Oehler in dieser Woche besonders gefreut hat: „Sehr cool, wenn man weiß, wo das Geld landet und was damit gemacht wurde.”

Schon die alten Römer pflanzten in England Weinreben an

Schaumwein made in England

Bereits die Römer produzierten in England Wein, um sich das englische Wetter schöntrinken zu können. Sein schlechtes Image konnte Wein aus dem Vereinigten Königreich aber nie so recht ablegen. Über die süßliche Plörre machte sich nicht nur Peter Ustinov lustig, der sich einst vorstellte, dass in der Hölle Italiener für die Pünktlichkeit, Deutsche für den Humor und Engländer für den Wein zuständig seien. Erst als man aus den englischen Trauben Sekt statt Wein herstellte, wurde das Image kräftig aufpoliert. Heute werden, wie die Süddeutsche Zeitung herausgefunden hat, zwei Drittel der Lese zu English sparkling wine, englischem Sekt, verarbeitet, und „viele der Schaumweine schneiden bei internationalen Wettbewerben gut ab”.

Jetzt hängt alles vom Verbraucher ab

Bio statt billig

Dass Bioland ausgerechnet mit Lidl eine Kooperation vereinbart hat, mag so manchen Öko-Fan irritieren, stand der Discounter bislang doch eher für eine Billigpreispolitik, die keine Rücksicht nahm auf Umwelt und Erzeuger.  Verbraucher dürften davon aber letztlich profitieren, sind die Bioland-Vorgaben doch weitaus strenger als die des EU-Biosiegels, wie die Süddeutsche Zeitung meint: „So dürfen weniger Tiere je Hektar gehalten werden, der Einsatz von Medikamenten ist ebenfalls strenger reguliert.” Ob die Allianz auf Dauer Bestand hat, hängt allerdings davon ab, ob auch die Verbraucher mitspielen, die für einen Liter Bioland-Milch ein paar Cent mehr zahlen sollen als für einen mit dem EU-Siegel. „Im Erfolgsfall”, so die SZ, „steigt die Nachfrage nach hochwertigerer heimischer Bioware. Mit dem Ergebnis, dass mehr Bauern umsteigen. Das wäre dann ein Gewinn für den Umwelt- und Gewässerschutz sowie die Artenvielfalt.”

Freiheit für die Braugerste!

Beim Bier hört der Spaß auf. Das Europäische Patentamt in München hat das Patent mit der Nummer EP2373154 anerkannt und damit den Wettbewerb zwischen Brauereien eingeschränkt, wie Walter König von der Braugersten-Gemeinschaft in der Welt befürchtete. Bis zuletzt hatte er gehofft, dass den Großkonzernen Heineken und Carlsberg eine Abfuhr erteilt würde, damit der „Spielraum für die Rohstoffauswahl” nicht kleiner wird und künftig nahezu jedes Bier gleich schmeckt. Zwar gibt es allein in Europa 50 Sorten von Braugerste, doch nicht jede eignet sich, um damit Bier im großen Stil zu brauen. Bislang stand dem Züchter einer Sorte das alleinige Verkaufsrecht zu, das Saatgut durfte aber kostenfrei genutzt und weiterentwickelt werden. Dank der Entscheidung des Patentamtes zugunsten von Carlsberg und Heineken bedarf es dafür künftig ihrer Erlaubnis.

Darauf erst mal ein schönes kühles EP2373154

Christoph Then, der Sprecher des internationalen Bündnisses „No Patents on Seeds“, befürchtet deshalb, dass die Patentinhaber anderen Brauereien den Zugang zu Braugerste erschweren könnten oder diese für die bislang kostenfreie Nutzung des Saatguts viel Geld bezahlen müssten. Die sauerländische Brauerei Veltins sprach denn auch von einer Verzerrung des Wettbewerbs, obwohl aktuell kein heimischer Anbieter die patentierten Braugerstensorten von Heineken und Carlsberg nutzte. Für die Braugersten-Gemeinschaft hat das Urteil des Patentamtes Präzedenzcharakter, weil Restriktionen in der heutigen Züchtung auch zukünftige Züchtungen beeinflussen würden. In ihrem Kampf gegen die Patentierung wurde sie vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ebenso unterstützt wie von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der evangelischen Kirche. Und auch die Grünen befürchten einen „Ausverkauf unseres Kulturpflanzenerbes” — nicht nur bei Braugerste.