Weinwissen ohne Bullshit

Mit der Frage, welcher Wein zu welcher Musik am besten schmeckt, haben sich Forscher  schon vor zwei Jahren beschäftigt. In einem neuen Buch geht ihr nun auch Justin Leone nach, der langjährige Sommelier des Münchener Restaurants Tantris.

Der Geschmack eines Cabernet Sauvignon verstärkt sich, wenn man dazu „All Along The Watchtower“ von Jimi Hendrix, „Honky Tonk Women“ von den Rolling Stones, „Live And Let Die“ von Paul McCartney & The Wings oder „Won’t Get Fooled Again“ von The Who hört. Das Bouquet eines Chardonnay entfaltet sich besonders bei „schwungvollen und erfrischenden Melodien“ wie „Atomic“ von Blondie, „Rock DJ“ von Robbie Williams, „What’s Love Got To Do With It“ von Tina Turner oder „Spinning Around“ von Kylie Minogue. Ein Merlot ist besonders süffig, wenn Otis Reddings „(Sitting On) The Dock Of The Bay“ dazu erklingt, und zu Puccinis Arie „Nessun Dorma“ bietet sich ein Wein der Sorte Syrah an. Das hatte bereits eine Studie der Heriot-Watt-Universität in Edinburgh ergeben, über die wir 2016 berichteten.

Justin Leone, der von 2011 bis 2017 den Gästen des Münchener Tantris den passenden Wein zu ihren Speisen empfahl und demnächst in Berlin die Weinbar Bottles & Bones eröffnet, kennt sich nicht nur bei Trauben, sondern auch in der Musik aus. In seiner Jugend hörte er Punk und mit der Band Three Minute Mile, bei der er den Bass zupfte, nahm er sogar ein paar Alben auf und spielte im Vorprogramm der Foo Fighters. Ein Weinberg ist denn für ihn auch ein Song, ein Winzer der Dirigent, der Jahrgang ein Konzertsaal, die Reben sind Rockstars und das Publikum besteht aus Weintrinkern. „Just Wine — Weinwissen ohne Bullshit” heißt folglich sein Buch, das im ZS-Verlag erschienen ist und Wein erlebbar machen soll.

Rock that Wine

Sein profundes Weinwissen vermittelt der Sommelier des Jahres 2013 darin auf eine sehr unkonventionelle, bildhafte und einprägsame Weise, indem er Weine mit Songs und Symphonien vergleicht.  So passe beispielsweise ein Riesling sehr gut zu Johnny Cashs „Hurt“ und zu einem Grau- und Weißburgunder empfiehlt er „Teenage Dirtbag“ von Wheatus. Und mithilfe von Spotify-Playlists unterstreicht er seine Auswahl an Songs, die er für die wichtigsten Traubensorten angibt. Wohl bekomm’s!