Mehr oder weniger — das ist hier die Frage

Ob die Deutschen weniger Alkohol trinken als vor ein paar Jahren oder der Alkoholkonsum hierzulande gestiegen ist, hängt davon ab, welche Zeitung man liest.

Einem aktuellen Report der Weltgesundheitsorganisation zufolge sei der Alkoholkonsum europaweit gesunken — nur nicht in Deutschland. Das behauptete Spiegel Online vor gerade mal 10 Tagen. Danach sei der Verbrauch hierzulande von 12,9 Litern reinen Alkohols pro Kopf im Jahr 2010 auf 13,4 Liter im Jahr 2016 gestiegen. Am vergangenen Sonntag wartete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” hingegen mit etwas anderen Zahlen auf. Ihr zufolge sank der Griff zur Flasche von 17,3 Litern im Jahr 1976 auf nunmehr 11 Liter.  Und dem im Frühjahr veröffentlichten „Jahrbuch Sucht 2018“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) zufolge trank jeder Bundesbürger durchschnittlich sogar nur 10,7 Liter Reinalkohol pro Jahr; Grundlage für die Berechnungen der DHS waren Daten aus dem Jahr 2015.

Welche Rolle der Konsum alkoholischer Getränke bei der Auswertung der Statistiken gespielt hat, wissen wir natürlich nicht. Die von der FAS veröffentlichten Daten decken sich jedoch mit Aussagen der WHO-Expertin Claudia Stein, denen zufolge Deutschland mit 11 Litern pro Kopf deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 8,6 Litern liege. Mehr Alkohol wird nur in Litauen (15,2 l) und Frankreich (11,5 l) konsumiert.

Die wichtigsten Herkunftsländer von Weinimporten nach Deutschland waren im vergangenen Jahr Italien (869 Mio. €), Frankreich (649 Mio. €) und Spanien (376 €), während deutsches Bier vor allem nach Italien (260 Mio. €), China (129 €) und in die USA (88 €) exportiert wurde.

Für Wein gibt jeder deutsche Haushalt monatlich 13 Euro aus, für Bier 9 und für Spirituosen 4 Euro, alkoholfreie Getränke schlagen hingegen mit 32 Euro zu Buche.

Unterschiede gibt es weiterhin auch zwischen Ost und West. Lag der Anteil an allen verkauften Spirituosenflaschen 2015 in den alten Bundesländern für Wodka bei 19 Prozent, brachten es die neuen Bundesländer nur auf 9 Prozent. Dafür trank man im Osten Deutschlands mehr Halbbitterliköre (17 %) als im Westen (10 %) und lieber Pfefferminzlikör als Ouzo.