Chronik der Woche

Kaufland boykottiert Unilever. Der NDR pimpt den Pannfisch. Das Hotel Fürstenhof wird wieder zur Gourmetmeile. Die Gastronomiebranche hat kein Fachkräfte-, sondern ein Führungsproblem. Und Mitarbeiter von McDonald’s sind betriebsblind. Die Woche im Überblick.

Gleich 480 Unilever-Artikel hat die zur Lidl-Gruppe gehörende Supermarktkette Kaufland aus den Regalen ihrer 650 Läden entfernt. Wie schon beim Streit zwischen Edeka und Nestlé geht es auch hier um Preiserhöhungen, die Kaufland nicht kampflos hinnehmen will. Während Unilever sich beklagt, dass in keinem anderen europäischen Land verpackte Lebensmittel so günstig seien wie in Deutschland und der Konzern kaum noch Möglichkeiten habe, den Kostendruck abzufedern, will Kaufland die freigewordenen Regalflächen nun nutzen, um verstärkt Eigenprodukte anzubieten. Aus Sicht der Hersteller von Markenprodukten werde hier ein Machtkampf im Einzelhandel auf dem Rücken der Hersteller ausgetragen und Einzelhandelsketten würden immer mehr die Konditionen im Einkauf bestimmen.

Pimp den Pannfisch

Eine neue Koch-Show hebt der NDR am 3. Oktober ins Programm. Der Schauspieler („Soul Kitchen”) und Hamburger Gastronom (Sotiris) Adam Bousdoukos geht mit dem Event-Koch Koral Elci von der Kitchen Guerilla darin auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch den Norden, um die traditionelle norddeutsche Küche etwas aufzupeppen, oder wie es unter Autoschraubern heißt: zu pimpen. Mal kochen die beiden in der freien Natur auf offenem Feuer, und mal bauen sie Erdöfen. Ihre Zutaten besorgen sie sich aber stets frisch aus der Region.

Unterwegs im Auftrag des NDR — Adam Bousdoukos und Koral Elci  (Foto: Seren Dal)

Messerscharf

Bereits zum fünfzehnten Mal verwandelt sich hingegen das Leipziger Hotel Fürstenhof vom 7. bis 9. September in eine Gourmetmeile. Neben dem Chef de cuisine Hendric Weißwange des hauseigenen Restaurants Villers und Sachsens jüngstem Sternekoch Benjamin Biedlingsmaier vom Caroussel in Dresden sind in diesem Jahr Till Weiß vom Golfclub Wörthsee und der Sternekoch Marcello Fabbri von der Weinbar Weimar mit von der Partie.

Gourmetmeile im fürstlichen Hofgarten (Foto: Swen Reichhold)

Massives Führungsproblem

Alte Strukturen, verkrustete Hierarchien und Mechanismen von gestern und vorgestern sind laut Marco Nussbaum, dem CEO von Prizeotel, für den Fachkräftemangel in der Hotelbranche verantwortlich. Nussbaum hatte deshalb erst kürzlich die Gehälter seiner Azubis verdoppelt. Im manager magazin legt er nun nach: „Wir haben eigentlich gar kein Fachkräfteproblem in der Branche, sondern ein massives Führungsproblem. Wir brauchen Führungskräfte, die bereit sind, ihre Komfortzone zu verlassen und die sich schnell in neue Themen einarbeiten können.”
Ein Thema, über das bestimmt auch am kommenden Montag im Kitchen Club diskutiert wird, wenn sich dort wieder Hamburger Küchenchefs treffen, um sich untereinander auszutauschen.

Betriebsblind

Weil kein Bild, das in einem McDonald’s im texanischen Houston hing, Menschen mit asiatischen Wurzeln zeigte, hängten zwei Freunde ein Foto von sich dort auf — was 51 Tage lang von niemandem bemerkt wurde. So viel zum Thema Identifikation mit dem Arbeitsplatz und Aufmerksamkeit von Mitarbeitern in einer Fast-Food-Filiale.

Zu guter Letzt

… und dann war noch dieser deutsche Tourist, der sich im Bewertungsportal Holidaycheck sehr ausführlich und extrem pingelig über ein Clubhotel auf Rhodos beschwerte. So habe das „minderwertige Personal” nicht deutsch gesprochen und die WC-Spülung sei so laut gewesen, dass er sie, aus Angst seinen Sohn damit aufzuwecken, nicht betätigt  habe. Und dem das Hotel antwortete: „Für den Gestank können wir nichts.”