Chronik der Woche

Auf Rügen wurde das erste kinderfreie Restaurant eröffnet. Münchener Restaurants erheben Stornogebühren für No-shows. Die Biermarke Astra eckte mal wieder mit ihrer Werbung an. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sorgt sich um traumatisierte Tierquäler. Der WDR knickte vor einem rechten Shitstorm ein. Und die Kirche der fliegenden Spaghettimonster wird nicht als Religion anerkannt. Die Woche im Überblick.

Das Restaurant Omas Küche und Quartier in Binz auf Rügen gibt es schon seit elf Jahren, doch irgendwann hatte es der Inhaber Rudolf Markl satt, dass Kinder unerlaubt Schränke öffneten, Inventar zerstörten und ihre Eltern tatenlos dabei zusahen. Gegenüber der Welt beklagte er sich, dass die Kurzen sich einfach nicht zu benehmen wissen: „Die Freiheit der Kinder hört da auf, wo die Freiheit der anderen Gäste beschnitten wird.“ Seit vergangenem Montag müssen die Blagen nun um 17 Uhr das Restaurant verlassen, damit seine Gäste ungestört ihr Essen genießen können.

Unattended

Letzte Warnung

Auch das Hotel Esplanade im brandenburgischen Bad Saarow lässt nach Beschwerden nur noch Gäste ab 16 Jahren in seinen Wellness-Bereich. Hoteldirektor Tom Cudok: „Toben und erholen – das geht halt irgendwie nicht gut zusammen.“

Pippi

Hausverbot für Pippi Langstrumpfs?

Stornogebühren für No-shows

Andere (Bundes-) Länder, andere Sitten. Das Zwei-Sterne-Restaurant Esszimmer in der BMW-Welt erhebt eine Stornogebühr in Höhe von 100 Euro, wenn Gäste, die einen Tisch reserviert haben, nicht erscheinen. Dafür dass ganze Gruppen gleichzeitig im Tantris, im Esszimmer, im Königshof und im Bayerischen Hof einen Tisch reservieren und erst am selben Abend entscheiden, wohin sie gehen, gibt es sogar schon einen Begriff: No-shows. „Wir haben im vergangenen Jahr durch No-shows grob geschätzt an die 70.000 Euro netto verloren“, berichtet Chefkoch Bobby Bräuer vom Esszimmer in der Süddeutschen Zeitung:, „das wollte ich einfach nicht mehr länger mitmachen. Wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier.”

Wolle Dose kaufen?

Keinen Spaß versteht man auch in Hamburg. Nachdem die für ihre eigenwillige Werbung bekannte Astra-Brauerei auf einer Plakatwand der Reeperbahn einen indischen Schauspieler im Meerjungfrauen-Kostüm abgebildet und seine Kiezmische mit dem Slogan „Wolle Dose kaufen” beworben hatte, empörte sich zum Beispiel der FC St. Pauli über seinen Sponsor, weil dadurch Rosenverkäufer rassistisch beleidigt würden. Gegenüber bento entschuldigte sich die Pressesprecherin des Mutterkonzerns Carlsberg, Linda Hasselmann: „Astra ist schon immer eine Marke gewesen, die aneckt und mit Grenzen spielt. Das haben wir auch dieses Mal versucht. Wenn es uns diesmal nicht gelungen ist, können wir uns nur entschuldigen.“ Und ließ das Plakat flugs wieder abhängen.

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Tierquäler sollen besser geschützt werden

„Das Schwein, das in einer Ecke des knatschengen Massenstalls verendet, angeknabbert von seinen Artgenossen. Hühner und Puten mit klaffenden Wunden. Schweine, die von Eiterbeulen übersät durch ihren eigenen Kot waten. Kühe, die nach ihren Kälbern brüllen, von denen man sie gerade getrennt hat” — heimlich  in deutschen Tierfabriken aufgenommene Bilder, die niemand sehen möchte, auch nicht die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. „Geht es nach ihr, wird es solche schrecklichen Filme über die ganz alltägliche Tierquälerei künftig nicht mehr geben”, schreibt der Kolumnist Fred Grimm in Schrot & Korn: „Ihr Ministerium arbeitet gerade an neuen Gesetzen mit härteren Strafen – für jene, die solche Filme drehen.” Solche enthüllenden Aufnahmen seien schließlich ein „traumatisches Erlebnis” — für die Tierquäler.

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Rechter Shitstorm

Nachdem sich ein Zuschauer aus dem Kreis der rechtsradikalen Kampagnen-Organisation „Ein Prozent für unser Land“ darüber empört hatte, dass der deutsche Kaffeemeister Carlo Graf Bülow in der Morning Show „live nach neun” des WDR ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Barista, Barista! Antifascista!” anhatte, beugte sich die Redaktion zunächst dem Shitstorm und schnitt seinen Auftritt heraus. Als das Medienmagazin Übermedien sich daraufhin nach den Gründen für die Entfernung des Auftritts erkundigte, bedauerte der Sender jedoch die übereilige Löschung und machte sie wieder rückgängig. Der frühere grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck kommentierte das Einknicken des WDR mit einer Abwandlung eines Zitats von Erich Honecker: „Den Antifaschismus in seinem Lauf halten weder Tee noch Kaffee auf!”

Zu guter Letzt

Das höchste Gericht der Niederlande wies am Mittwoch die Forderung einer Anhängerin der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters ab, sich auf Passfotos mit einem Nudelsieb auf dem Kopf präsentieren zu dürfen. Informationen der „Welt” zufolge lehnte die niederländische Justiz ihren Antrag ab, weil die Spaghettimonster-Kirche keine anerkannte Religion sei.