Lass mich dein Badewasser schlürfen

Jeder Deutsche trank bislang eine Badewanne Alkohol pro Jahr. Doch damit ist es nun wohl vorbei: Die Wanne ist nicht mehr ganz voll. Und das hat ungeahnte Folgen.

Vor allem Jugendliche konsumieren schon seit Jahren immer weniger Alkohol. Tranken sie 2004 noch durchschnittlich 116 Liter, waren es 2015 nur noch 106, und der Absatz alkoholfreier Biere hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Kein Wunder, dass man angesichts dieser Zahlen schon mal durcheinander kommt und versehentlich die Etiketten verwechselt. So musste der Discounter Penny in der vergangenen Woche das alkoholfreie Hefeweizen Adelskronen zurückrufen, weil man in einer Braunschweiger Brauerei versehentlich die falschen Etiketten auf Flaschen  alkoholhaltiger Biere geklebt hatte — und so Autofahrern, die ins Röhrchen pusten mussten, eine Ausrede frei Haus lieferte: „Herr Wachtmeister, wie sollte ich denn ahnen, dass das alkoholfreie Bier, das ich getrunken habe, so breit macht?”

Achtung, Achtung: Wo Jever draufsteht, ist auch Jever drin

Achtung, Achtung, liebe Autofahrer: Wo Jever draufsteht, ist auch Jever drin

Die freiwillige Reduzierung des Alkoholkonsums kann man aber auch kritisch sehen. So fanden Wissenschaftler des finnischen Institute of Occupational Health heraus, dass Anti-Alkoholiker öfter bei der Arbeit fehlen als moderate Trinker, die sich ein Feierabendbier gönnen. Unter „moderatem Trinken” verstehen die Alkoholforscher den Konsum von elf 0,33-Liter-Flaschen Bier bei Frauen bzw. 32 bei Männern pro Woche — was zeigt, dass in puncto Emanzipation der Frau noch viel Luft nach oben ist.

Die Emanzipation der Frau hat beim Trinken noch viel Luft nach oben

Noch viel Luft nach oben — emanzipierte Frauen auf der Gastro Vision

Britische Wissenschaftler ermittelten derweil, dass die Risikobereitschaft steigt, wenn man saure Getränke zu sich nimmt, während süße Getränke den umgekehrten Effekt haben. Bislang war man immer davon ausgegangen, dass es genau andersherum ist. Wer also gerade Haus und Hof verloren hat, muss sich nicht mehr schuldig fühlen — es lag am Zitronensaft oder am Whisky Sour, dass er sich beim Pokern verzockt hat: „Tut mir leid, Schatz, aber mit einem Haselnussschnaps oder Mandellikör wäre mir das bestimmt nicht passiert.”