Verpasste Chancen

Wie viel Bier wir während der Fußball-Weltmeisterschaft trinken, hängt im Wesentlichen vom Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft ab. Sollte es das Team von Jogi Löw bei der WM in Russland erneut so weit schaffen wie vor vier Jahren in Brasilien, rechnen die Brauereien mit relevanten Absatzsteigerungen, die ein Prozent ihres Jahresumsatzes ausmachen.

Schaut man sich einmal an, wie deutsche Brauereien die Fußball-WM nutzen, um ihre Biere zu bewerben, könnte man denken, dass Deutschland — ähnlich wie Holland und Italien — gar nicht an der WM teilnimmt.

Radeberger umwirbt leider nur Partnergastronomen mit einem Aktionspaket, das rote und gelbe (Getränke-) Karten, Fan-Tattoos, Kapitänsbinden und ein Serviertablett in „Stadionoptik” enthält. Wer beim Finale der Fußball-WM am 15. Juli live dabei sein und auf den letzten Drücker Tickets für das Endspiel gewinnen will, muss hingegen wohl oder übel Beck’s trinken. Denn in jedem Sixpack befindet sich aktuell ein Gewinncode, der darüber entscheidet, ob man das Finale daheim am Bildschirm oder vor Ort im Moskauer Luzhniki-Stadion live erleben kann.

Beer of the Gods — Anstoß in Deutschlands trinkfreudigstem Dorf

Anstoß in Deutschlands trinkfreudigstem Dorf

Gleich ein neues Bier gebraut hat dagegen die Wacken Brauerei mit ihrem frischen Hellen Anstoss, das nur während der WM ausgeschenkt wird, zum Beispiel beim Public Viewing auf dem Brauereigelände. Und auch für Paulaner naht die „Zeit zum  Anstoßen” — ihr Aktionspack enthält neben fünf Flaschen Hefeweizen immerhin auch ein Weißbierglas im Fußball-Design.

Sehen so etwa Fußballer aus?

Ein Fußball-Funktionär als Werbe-Ikone?

An die Sammler von Kronkorken wendet sich wiederum die Kölschmarke Gaffel, zu deren Partnern auch Bayer Leverkusen, der 1. FC Köln und sein Lokalrivale Fortuna zählen. Die Flaschen der Sonderedition, auf deren Etiketten Gaffel durch Begriffe wie Anstoß, Halbzeit oder Konter ersetzt wurden, haben Kronkorken, die — welch grandiose Idee! — mit den Emblemen ausgewählter WM-Teilnehmer verziert sind. Warsteiner setzt mit seiner Sonderedition hingegen ganz auf den Trainer und den Kapitän, den Torwart, die Abwehr, das Mittelfeld und die Stürmer und hat eine schwarz-rot-goldene Dose hoffnungsvoll „Weltmeister” überschrieben. Ob das reicht?

Wenn Jogi Löws Truppe auf dem Platz ebenso wenig einfällt wie den Werbeagenturen deutscher Brauereien, ist mit einem Ausscheiden bereits in der Vorrunde zu rechnen. Einziger Trost: Dann bliebe uns wenigstens ein weiterer Auftritt von Helene Fischer auf der Berliner WM-Meile erspart.