Die Street-Food-Karawanen ziehen wieder durchs Land

Als Andrew Fordyce auf der Gastro Vision 2014 einen Vortrag über die Londoner „Street Kitchen Revolution” hielt, waren Food Trucks noch ein Trend, der hierzulande gänzlich unbekannt war. Mittlerweile gibt es kaum noch einen Ort in Deutschland, in dem kein Food-Truck-Festival stattfindet.

Für den Kabarettisten Dietmar Wischmeyer ist das Food-Truck-Festival „der Shanty-Chor-Wettbewerb unter den städtischen Speise-Events”. In seinem „Schwarzbuch” auf radio eins ätzte er bereits im November letzten Jahres: „Ein Dutzend Anhänger stehen auf einer innerstädtischen Parkfläche mit dem irreführenden Namen Marktplatz und buhlen um geschmackstolerante Kundschaft. Elf von den zwölf Frittierbuden bieten Burger an, dieses amerikanische Missverständnis einer Mahlzeit.” Und die restlichen Trucks, möchte man hinzufügen, schenken Craft-Biere kleiner, regionaler Brauereien aus, deren Etiketten oft besser aussehen, als die Biere schmecken.

Amerikanisches Missverständnis

„Amerikanisches Missverständnis einer Mahlzeit”

Von Humptrup an der dänischen Grenze bis ins tiefste Bayern zieht die Food-Truck-Karawane, sobald die Temperaturen es zulassen, unter freiem Himmel einen Burger zu verschlingen, ob vegan oder aus regionaler Schlachtung. Kein Straßenfest, auf dem einen nicht der Geruch von frischen Limetten, Knoblauch, Avocados und Koriander „ein Lächeln ins Gesicht zaubert”. Kein Pfingstfest, auf dem nicht die Trucks Stoßstange an Stoßstange stehen wie bei einem Stau auf der Autobahn. Und wem das zu profan ist, der erhält im „Schlemmer-Sommer” die Möglichkeit, Gerichte zu probieren, die von der örtlichen Gastronomie auf Straßenniveau downgegradet werden. Dort kann sich, so Wischmeyer, „der restzivilisierte Mittelständler sein Chateaubriand auf Stubenküken als Fast-Food-Edition reinpfeifen. Das Spießbratenbrötchen heißt hier Lendenstück vom Uckermarker Weidenschwein in Dinkelkruste und mundet auch gleich viel nachhaltiger.”

Da freut man sich geradezu auf das 1. Mettbrötchen-Open-Air-Festival, das am 26. August parallel in Berlin, Dortmund, Dresden und Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg und Hannover, Kiel, Köln, München und Nürnberg, Stuttgart, Wien und Zürich stattfindet. Während sich auf Facebook für das Kölner Festival bereits 19.132 Gäste interessieren, sind es in Wien bislang gerade mal 8, die sich bei schlechtem Wetter allerdings auch beim Veranstalter daheim treffen könnten. Wenn er dann auch noch ein Craft-Bier im Kühlschrank hätte, wäre der Tag gerettet.