Aktuelle Wochenschau

Was der Papst am liebsten isst. Wie die Industrialisierung den Genuss beeinflusst.Wie man Speisen auch ohne Alkohol begleiten kann. Und warum Avocados das Schweinefleisch der Veggie-Szene sind. Die Woche im Überblick.

Als der Papst noch ein kleines Kind war, sammelte er, wie alle Mitglieder seiner Familie, zu Boden gefallene Brotbrösel auf und küsste sie. Denn Brot, so lehrten es ihn seine Großeltern, sei ein Zeichen Gottes. Und wie sie vermittelt auch er die Botschaft, dass Essen auch eine spirituelle Dimension habe. Das unterstreicht Roberto Alborghetti in seinem Buch „Kochen mit dem Papst” (Südwest Verlag), anlässlich dessen Veröffentlichung die FAZ den Kochbuchautor und Franziskus-Biografen interviewt hat.

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Natürlich hat Alborghetti nicht gemeinsam mit dem Papst gekocht, er kennt jedoch dessen kulinarische Vorlieben. Das Kochen hatte Franziskus einst von seiner Mutter gelernt, als er noch Lebensmittelchemie studierte. Da seine Eltern, die aus Italien nach Argentinien emigriert waren, nicht so viel Geld hatten, um sich teure Zutaten leisten zu können, verwendete er oft Essensreste, weshalb er heute immer wieder die Verschwendung von Lebensmitteln kritisiert und auch die Angestellten der Vatikan-Mensa unterrichten ließ, wie man diese vermeiden kann. Er selbst könne sehr gut gefüllte Calamari zubereiten, lebe die propagierte Einfachheit aber auch vor: „Abends, wenn in der Mensa nicht bedient wird, stellt er sich wie alle anderen mit einem Plastiktablett in die Reihe und isst, was alle anderen auch essen. Es gibt keine Extrawürste für ihn.”

Olofs im Bookstore der Gastro Vision 2018

Tina Olufs im Bookstore der Gastro Vision 2018

Vom Blatt bis zur Wurzel

Den Fragen, warum wir das Karottengrün nicht essen und aus der Schale von Melonen nicht, wie die Südkoreaner, Kimchi machen, und wie die Industrialisierung unsere Genussfähigkeit beeinflusst, gehen Tina Olufs vom Koch Kontor und Andre van Ravenzwaay am 13. April in einer kulinarischen Tafelrunde nach, die von dem Kochbuch „LEAF TO ROOT — Gemüse essen vom Blatt bis zur Wurzel” inspiriert wurde. Dazu können unter Anleitung von Günther van Ravenzwaay Natural Wines deutscher, österreichischer und französischer Premium-Weingüter verkostet werden. 

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Eine neue Trinkkultur

Wie man Speisen auch ohne Alkohol perfekt begleiten kann, darum geht es eine Woche später, wenn Nicole Klauß im Koch Kontor zu Gast ist und als Aperitif einen Kirschblatt-Tee, Mineralwasser, das Sushi nicht überlagert, mit Kräutern oder Gewürzen aromatisiertes Wasserkefir, ein Oolong zur Ramen oder einen Karigane zum gegrillten Fisch empfiehlt. 

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Zu guter Letzt

Weil Avocados „eine verheerende Ökobilanz” haben und in Mexiko riesige Waldgebiete für ihren Anbau gerodet werden, hält der taz-Kolumnist Jörn Kabisch sie für „das Schweinefleisch der Veggie-Szene”. Der Geschmack der Königin des Superfood sei dabei nebensächlich. „In Zeiten des Misstrauens gegen fast jedes Lebensmittel surfen die Leute eben einzig mit der Faustregel durch das Angebot: Was richtig schmeckt, kann nicht gesund sein.”