Cantare …

Wer schon mal im Cuneo in der Hamburger Davidstraße gespeist hat, versteht auch, warum die soeben zu Ende gegangene Gastro Vision dem Thema Leidenschaft gewidmet war. Denn niemand tanzt so schön auf dem Tisch und singt „Volare” wie Franca Cuneo.

Boris Becker und der James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan speisten im Cuneo bereits ebenso wie der Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der langjährige „Spiegel”-Chefredakteur Stefan Aust oder der Rockstar Lenny Kravitz. Dariusz Michalczewski feierte hier seine erste Weltmeisterschaft, wovon noch immer seine Boxhandschuhe künden, die neben Gemälden von Künstlern hängen, die damit ihre Rechnungen beglichen. Nach ihren Auftritten schauten Schauspieler wie Bruno Ganz, Otto Sander, Eva Mattes oder Ulrich Tukur vorbei, der 2005 anlässlich des 100. Geburtstags von Hamburgs erstem italienischen Restaurant eine Gala im St. Pauli Theater veranstaltete und anschließend im Cuneo die beliebtesten Hits aus der uralten Jukebox mitsang.

La famiglia zu Besuch auf der Gastro Vision

La famiglia zu Besuch auf der Gastro Vision

Dabei war das Cuneo anfangs kein Lokal, in dem Promis verkehrten. Gegründet wurde es 1905, nachdem der singende Eisverkäufer Francesco Cuneo durch halb Europa getingelt war und in einem ehemaligen Bordell ein Speiselokal eröffnete. Schon bald verkehrten dort Huren aus der nebenan gelegenen Herbertstraße und Seeleute, die mitunter die Zeche prellten und sogar mal einen Matrosen zurückließen, den sie im Trubel unterm Tisch erschossen hatten. Wenn nicht gerade Fans von Pelé den Laden zerlegten, als Brasilien 1962 zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister wurde, feierte man oft bis spät in die Nacht — mitunter so lange, dass die Cuneos ihren Gästen die Schlüssel daließen und sie baten, das Restaurant hinterher abzuschließen.

Die Cuneo-Crew war total gerührt, als sie sich selbst auf der LED Wall sah

Die Cuneo-Crew war total gerührt, als sie sich selbst auf der LED Wall sah

Von 1927 bis 1960 leitete Francescos Sohn Giovanni das unprätentiöse Restaurant in der Davidstraße, bevor der es wiederum an seinen Sohn Franco übergab, der von Gästen wie Angestellten il comandante genannt wird und dessen Tochter Franca sich seit 2005 um den Laden kümmert. Franca war es auch, die Anzeige erstattete, als ihr Vater vor sechs Jahren daheim in Eidelstedt überfallen worden war und man gedroht hatte, ihm einen Finger abzuschneiden, wenn er ihnen kein Lösegeld zahle. Die Täter wurden gefasst und zu Gefängnisstrafen verurteilt, doch der Schock steckte ihm noch lange in den Gliedern.

Gipfeltreffen der alten Schule — die Cuneos im Gespräch mit Walter Seubert

Gipfeltreffen der alten Schule — die Cuneos im Gespräch mit Walter Seubert

Das hielt ihn aber nicht davon ab, das Restaurant auch weiterhin zu betreiben und die Familientradition zu bewahren. Gekocht wird im Cuneo noch immer nach jahrzehntealten Rezepten. Der Fisch und das Fleisch, die hier auf den Teller kommen, sind stets frisch, das Gemüse stammt aus der Region und zur Pasta gibt es keine Instantsaucen, sondern original-italienische wie zur Zeit des Firmengründers Francesco.

Wiedersehen auf der Gastro Vision — Il comandante und Antonello Vigliarolo vom Restorante Nello

Unerwartetes Wiedersehen auf der Gastro Vision — Il comandante und Antonello Vigliarolo vom Restorante Nello