Zielgruppe Dicke und Doofe

Coca-Cola ist die wohl bekannteste Marke der Welt. Die braune Brause gibt es in jedem Land, sogar auf Kuba und in Nordkorea. Doch ihr Mythos ist arg am Bröckeln.

An der Börse schwächelt Coca-Cola, der größte Limonadenfabrikant der Welt, schon seit Jahren. Im vierten Quartal 2017 fiel der Umsatz gar auf ein historisches Tief von „nur noch” neun Milliarden Dollar. Die Investitionen gingen stark zurück, die Zahl der Mitarbeiter sinkt weiterhin rapide und inzwischen macht sogar der Konkurrent Pepsi mehr Gewinn als Coca-Cola.

Coca-Cola

Getränke-Automaten in Atlanta, dem Stammsitz von Coca-Cola

Ein ehemaliger Mitarbeiter, der natürlich nicht namentlich genannt werden wollte, begründet den Niedergang der bekanntesten Marke der Welt in der Wirtschaftswoche damit, dass Coca-Cola nicht so innovativ sei wie die Konkurrenz. Während andere Getränkeproduzenten sich längst darauf eingestellt hätten, dass vor allem die Menschen in westlichen Ländern sich gesünder ernähren und weniger Zucker zu sich nehmen wollen, habe man diesen Trend mehr oder weniger verpasst.

Magazin-Redakteur Hollow Skai bei Recherchen in Atlanta

Magazin-Redakteur Hollow Skai bei Recherchen im Coca-Cola-Headquarter Atlanta

Dabei werden dieses Jahr weltweit voraussichtlich satte 38 Milliarden Dollar mit sprudelnden Erfrischungsgetränken umgesetzt. Tendenz steigend, denn die Branche wächst jährlich um vier Prozent. Mit dem Einstieg bei Discountern wie Lidl oder Aldi, so der anonyme Insider, habe der Konzern aber den Premiumanspruch aufgegeben: „Die neue Zielgruppe ist, überspitzt gesagt, dick und doof.”

Fotos: Jenny Wübbe