Nichts gelernt und nichts geleistet

Immer öfter klagen Praktikanten über anspruchslose Aufgaben. 

Wie das ehrliche, unabhängige und schnelle Nachrichtenmagazin Der Postillon enthüllte, werden Praktikanten oft schamlos ausgenutzt. So musste die 19-jährige Barista-Praktikantin Mia-Sophia Brehme bei Starbucks „fast die ganze Zeit” Kaffee kochen, weil man ihr „einfach keine anspruchsvollen Aufgaben zuteilen” wollte. Und auch in ihrem nächsten Praktikum bei Foodora musste sie immer nur eins tun: Essen holen und es Kunden nachhause liefern.

Mia-Sophia Brehme ist leider kein Einzelfall. Johannes Reimann, 20, durfte in seinem Praktikum als Barkeeper die Cocktails, die er mixen sollte, nicht selbst trinken. Und auch Chantall Ebermann, 21, wurde von ihrem Chef, einem Sterne-Koch, zu langweiligen Hilfsarbeiten verdonnert: „Ich musste immer nur Bohnen schnibbeln oder Kartoffeln schälen. Anspruchsvollere Arbeiten wie ein 5-Gänge-Menü vertraute er mir nie an.”

Immer nur Kaffee kochen

Skandal! Barista-Praktikanten müssen immer nur Kaffee kochen

Der Hotel- und Gaststättenverband hat deshalb schon im vergangenen Jahr eine Taskforce eingerichtet. Dort können Praktikanten sich bei anderen Praktikanten ausheulen. HoGa-Vorsitzender Klaus Esser: „Damit wollen wir ein Zeichen setzen. Denn was nützt es, sich ständig über den Fachkräftemangel in Hotellerie und Gastronomie zu beklagen, wenn man junge Leute, die in unserer Branche Fuß fassen wollen, nicht auch fördert.” Der Verband fordert seine Mitglieder auch auf, Praktikanten am Trinkgeld zu beteiligen. „Solche finanziellen Anreize sind notwendig, um die jungen Leute nicht gleich wieder zu verschrecken.”

Mia-Sophia Brehme begrüßt die Initiative des HoGa: „Vielleicht ist das ja ein Ausweg aus der Misere. In meinem dritten Praktikum, das ich in einem Steak-Restaurant absolvierte, musste ich immer nur Fleisch würzen. Als ich vorschlug, doch auch mal Tofu, Toffeefee oder wie das heißt, anzubieten, schüttelte mein Chef nur den Kopf. Dabei ernähren sich doch immer mehr Gäste WLAN.”

Gar nicht so leicht, das richtige Bierglas zu finden

Gar nicht so leicht, das richtige Bierglas zu finden

Wie das Magazin der Gastro Vision erfuhr, hat sie aber bereits ein weiteres Praktikum in Aussicht — als Zimmermädchen in einem Hotel. Brehme: „Hoffentlich muss ich da nicht nur Betten beziehen, sondern darf darin auch mal schlafen.”