Der Jahresrückblick (2)

Wer hätte das gedacht: Kaffee macht nicht nur schlau und schön, sondern schützt auch vor Herzinfarkten und Schlaganfällen. Für Epidemiologen war Kaffee plötzlich  Bestandteil einer gesunden Ernährung. Und Ärzte aus Southampton und Edinburgh belegten im „British Medical Journal”, dass Kaffee die günstigste Wirkung habe, wenn man drei bis vier Tassen täglich trinke.

Kaffee ist der neue Wein

Kaffee macht schlau und hält uns fit

Kampf der Massenbierhaltung! Craft-Biere erfreuten sich einer Renaissance und der Markt für handgemachte, kreative und hochwertige Biere mit besonderen Aromen wuchs weiter, während die großen Braukonzerne mit einem fallenden Pro-Kopf-Verbrauch zu kämpfen hatten. Erfreulich auch, was in diesem Jahr wissenschaftlich bewiesen wurde: Bier macht glücklich. Damit Besucher des Münchener Oktoberfestes trockenen Fußes vom Kotzhügel wieder ins Bierzelt zurückkehren können, brachte Adidas sogar einen speziellen Sneaker heraus, das Modell „Prost“.

Prost

Bier macht nicht nur Köche glücklich

Seinen Auftritt auf der Gastro Vision im März musste der Schauspieler Til Schweiger kurzfristig absagen, dafür lieferte sich der Neu-Gastronom aber mit der „Hamburger Morgenpost” eine Schlammschlacht, weil er in seinem Barefood Deli angeblich „Hamburgs teuerstes Leitungswasser” verkaufte. Schweiger war aber nicht der einzige Promi, der sich gastronomisch betätigte: Ende Juni eröffnete der Fußballer Lukas Podolski in Köln die Eisdiele Ice Cream United, Marcell Janssen (ex-HSV) betreibt nun zusammen mit Steffen Henssler das Ben-Green-Restaurant im Kölner Flughafen, und nach dem Ex-Trainer des FC St. Pauli, Ewald Lienen, wurde der Ewaldbienenhonig benannt.

Ewald Bienenhonig

Der FC St. Pauli kämpfte gegen den Abstieg und das Bienensterben

Als im August herauskam, dass Hoteliers sich gute Bewertungen kauften, geißelte das Bewertungsportal Tripadvisor das als „unethisch und häufig auch gesetzeswidrig”. Um sich dann im Dezember selbst zu blamieren, als eine Gartenlaube zum bestbewerteten Londoner Restaurant aufstieg. Gefälscht war auch der Whisky, für den ein chinesischer Geschäftsmann im Schweizer Kurort St. Moritz 8.600 Euro für ein Gläschen Single Malt Macallan aus dem Jahr 1878 bezahlt hatte. Im November stellte sich heraus, dass der „zu 95 Prozent zwischen 1970 und 1972 hergestellt wurde“.

Hotel

Gute Bewertungen kann man sich auch kaufen

Die meisten Tränen kullerten Gästen von Fünf-Sterne-Hotels über die Wangen, wenn sie die Rechnung erhielten. Das ergab der Hotel Pain Index 2017 des US-Technologieanbieters Qualtrics, demzufolge das Enttäuschungsrisiko in Luxushotels besonders hoch war.

Ole Plogstedt (r.), Foto: Gastro Vision

Ole Plogstedt (rechts) und Johannes Pilz

Freuen konnten sich die Deutschen hingegen darüber, dass sie nicht nur im Fußball die Größten sind, sondern auch Weltmeister im Safttrinken. Neuer Deutscher Meister im Kürbiswiegen wurde hingegen ein Team aus dem bayrischen Schönebach mit einem 792,5 Kilo schweren Gewächs. Und Uruguay stellte einen neuen Weltrekord im Grillen auf. Auf die Frage nach dem größten Fehler, den man beim Grillen begehen kann, hatte der TV-Koch Ole Plogstedt die passende Antwort: „Wenn man vergisst, das Bier kalt zu stellen.”

Normale Eutersekretion

Normale Eutersekretion

Im Juni entschied der Europäische Gerichtshof, dass vegane Produkte nicht mehr als „Pflanzenkäse” oder „Tofubutter” verkauft werden dürfen, weil die Bezeichnung „Milch“ Produkten vorbehalten sei, die aus der normalen Eutersekretion von Tieren gewonnen werden. Vegetarischer und veganer Fleisch- und Wurstersatz waren jedoch weiterhin erlaubt, obwohl für den Deutschen Fleischerverband der Spaß beim veganen Rinderfilet aufhörte. Trotz aller Proteste kam „veganes Leben” im November aber in der Mitte der Gesellschaft an und Bio-Produkte erzielten eine Reichweite wie Toilettenpapier.

Authentischer Bhaji Burger von Kapil Uppal

Authentischer Bhaji Burger von Kapil Uppal

McDonald’s musste hingegen sehr tapfer sein, eröffnete die Konkurrenzkette Five Guys doch ihre erste Filiale in Deutschland. Und auch sonst sprossen Burger-Bars bei uns wie Pilze aus dem Boden.

Trink

Trink das richtige Wasser, Digga!

Mit Preiserhöhungen von bis zu 45 Prozent für Trinkwasser müssen Verbraucher in Deutschland rechnen, weil zu viel Gülle auf den Feldern landete und im Obst- und Gemüseanbau übermäßig viel Mineraldünger eingesetzt wurde. Derweil pumpte Nestlé im US-Bundesstaat Michigan Millionen Liter Wasser aus dem Boden, füllte es in Plastikflaschen und verkaufte es als „Ice Mountain Natural Spring Water”. Und obwohl 42 Millionen Äthiopier sich nicht mit sauberem Wasser versorgen können und die Vereinten Nationen mal wieder vor einem Massensterben aufgrund der ausbleibenden Regenzeit warnten, profitierte der Schweizer Lebensmittelkonzern davon, dass er dort 50.000 Liter pro Stunde abpumpte. Viva con Agua war da nur ein Tropfen auf den heißen Stein, bleibt aber deshalb auch weiterhin das offizielle Wasser der Gastro Vision.