Was wäre, wenn …?

Einer Studie der Universität Oxford zufolge könnten die Treibhausgasemissionen in den nächsten 30 Jahren um zwei Drittel reduziert werden, wenn alle Menschen sich vegetarisch ernähren würden. 

Wir haben es ja schon immer geahnt. Nicht die Millionen von Autos oder Kohlekraftwerke sind daran schuld, dass es eine Erderwärmung gibt, sondern, pardon, furzende Rinder, die sich auf diese Weise daran rächen, dass wir sie nur züchten, um sie zu schlachten, zu verwursten und aufzuessen. Der Meinung ist offenbar Marco Springmann, Senior Researcher für Environmental Sustainability and Public Health der Universität Oxford. Denn ihm zufolge lässt sich die Erderwärmung nur dann auf unter zwei Grad begrenzen, wenn wir unseren Fleischkonsum drastisch reduzieren — und alle Veganer oder Vegetarier werden.

Eine steile These, machen tierische Produkte doch gerade mal 15 Prozent der durch den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen aus, addiert man den Ausstoß von Methan, die Transportwege, den Futteranbau und andere Faktoren, die bei der Haltung von Nutztieren eine Rolle spielen. Und was ist mit den restlichen 85 Prozent? Darüber verliert Springmann leider kein Wort im Interview mit Die Welt kompakt, die von ihm wissen wollte: Was passiert eigentlich, wenn plötzlich niemand mehr Fleisch isst?

Eine Fläche, die größer wäre als Afrika, könnte dann anderweitig genutzt werden. Und weil dann nicht mehr drei Viertel des Wassers in die Landwirtschaft fließen würden, weil für ein Kilo Rindfleisch 5.000 Liter Wasser benötigt werden, für ein Kilo Obst aber nur 900 Liter, liefe auch niemand mehr Gefahr, zu verdursten. So die Utopie.

 

Was wäre, wenn wir kein Fleisch mehr essen würden?

Was wäre, wenn … wir kein Fleisch mehr essen würden?

Für Springmann ist die Sache jedenfalls klar wie Kloßbrühe: Die Zukunft der Welt hängt entscheidend davon ab, ob wir unsere Ernährung umstellen und unseren Konsum von Fleisch stark einschränken oder ganz darauf verzichten können.

Das hört sich im ersten Augenblick recht kämpferisch und plausibel an. Ob uns dies überhaupt je gelingen kann, bezweifelt Springmann allerdings selbst. Denn Millionen von Menschen, die von der Tierzucht und der Verarbeitung leben, müssten sich dann einen anderen Job suchen. Die durch den Wegfall von Rinderweiden neu entstandenen Flächen müssten sich auch für den Anbau von Obst und Gemüse eignen. Und außerdem gilt ein Stück Fleisch auf dem Teller in unserer Kultur noch immer als Zeichen des Wohlstands. Mia san mia!

Weil er selbst nicht allzu sehr daran glaubt, dass wir mal eben die Welt retten, indem wir einfach aufhören, Fleisch zu essen, weist Springmann auch noch darauf hin, dass Veganer und Vegetarier Studien zufolge nicht nur empathischer seien — sie würden auch besser riechen. Letztlich wird aber wohl niemand wegen des Geruchs auf sein Rinderfilet oder den Schinken auf dem Brötchen verzichten, sodass Springmanns Utopie einer besseren Welt nur ein weiteres Mal zeigt: Grau ist alle Theorie, doch weiter kommt man ohne sie.