Ohne Leidenschaft geht es nicht

Kreuzberger Nächte sind nicht mehr lang, werden aber immer teurer.

Die Barkeeper werden immer kreativer und die neue Barkultur ist mittlerweile schon so komplex ist wie die Sterneküche. Das hat nun auch die Frankfurter Allgemeine Woche erkannt. So mischt die Baslerin Chloé Merz, von der Zeitschrift „Mixology” zum Newcomer des Jahres gekürt, Teeblätter und Bergamottenbrand mit Wermut. Damien Guichard von der Berliner Bar Velvet zieht mit einer Zentrifuge einen klaren Extrakt aus Brandenburger Rhabarber, den er für einen „Sloe and Sleazy” benötigt. Und auch sonst kennt die Kreativität keine Grenzen. Mal werden Walnüsse monatelang in Korn eingelegt, Kirschen aus dem eigenen Garten mariniert oder Cocktails mit seltenen Kräutern aufgepeppt. Mal pulen Barkeeper Sanddorn von Zweigen oder mixen sie Bloody Marys mit Mezcal, und der gute alte Wermut schmeckt plötzlich nach Ananas. Alles ist möglich, je ausgefallener, desto besser.

Daniel Lemke, Volker Seibert und ....................

Vorreiter der neuen Barkultur auf der Gastro Vision 2014

Dabei ist die neue Barkultur keineswegs ein Hirngespinst von Hipstern, sondern ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor. Die Zahl der Bars in Deutschland stieg zwischen 2010 und 2015 um ein Viertel  auf rund 2100. Und der Umsatz von Gin verdreifachte sich gar zwischen 2010 und 2016. Sieben Millionen Liter Wacholderschnaps werden allein in Deutschland jedes Jahr konsumiert — und das, obwohl die Gesellschaft altert und die Deutschen immer seltener ausgehen.

Guichard bringt den nicht mehr ganz neuen Trend im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Woche” auf den Punkt: „Ohne Leidenschaft geht es nicht, wir arbeiten viel zu viel, weil es uns Spaß macht.“