Aktuelle Wochenschau

Akademiker trinken mehr Alkohol als Ungebildete. Die Briten haben keinen Tee-Geschmack. James Bonds Champagner bekommt Konkurrenz. Ein Frühstück ohne Aufstrich ist kein Frühstück. Der deutsche Kürbismeister kommt aus Bayern. Und warum es in Hotels keine Zahnpasta gibt. Die Woche im Überblick.

Das „Zeit Magazin” hat sich mit den Alkoholforschern Steven Dooley und Helmut Seitz über das gemeinsame Trinken als Statussymbol und den Trend zum Komasaufen unterhalten. Obwohl die Deutschen durchschnittlich nur noch zehn Liter reinen Alkohol im Jahr trinken, 1990 waren es noch zwölf, wurden vor zwei Jahren 22.000 Kinder und Jugendliche im Vollrausch ins Krankenhaus eingeliefert — mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2000. Gefährdet sind aber zunehmend nicht Konsumenten, die man dem Prekariat zurechnet. Die größte Risikogruppe sind Akademiker ab 45 Jahren, was damit zu tun hat, dass Alkohol häufig teuer ist. Frauen haben in letzter Zeit zwar auffallend stark aufgeholt, entwickeln aber schon bei wesentlich geringeren Mengen eine Leberzirrhose, und die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken, erhöht sich dramatisch, wenn sie, wie von Kardiologen empfohlen, täglich ein Glas Wein trinken, um einem Herzinfarkt vorzubeugen. Helmut Seitz: „Wenn Sie Alkohol heute als Medikament auf den Markt bringen wollten, würde keine Gesundheitsbehörde der Welt dies zulassen — viel zu toxisch!”

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Einen Vollrausch können sich nur noch Akademiker leisten

Wenn die Tee-Testerin Sandra Nikolei auf Reisen ist, hat sie stets einen Tauchsieder, mindestens zwei lose Tees, Teebeutel und ihre eigene Tasse dabei. Denn nicht jedes Hotel habe guten Tee im Angebot, obwohl jeder Deutsche im vergangenen Jahr 28 Liter Tee und 40 Liter Kräuter- und Früchtetees getrunken habe. Einen schlechten Geschmack bescheinigt sie  im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” aber auch den Briten: „Ein Großteil legt nur Wert darauf, dass man eine braune Flüssigkeit hat, die nicht Kaffee ist.”

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Die Briten haben einen schlechten Tee-Geschmack

Die deutsche Antwort auf Bollinger

Seit Mathieu Kauffmann Kellermeister des traditionsreichen Pfälzer Weinguts Reichsrat von Buhl in Deidesheim ist, verfolgt er nur ein Ziel: aus Spitzenlagen trockene Rieslinge und Spätburgunder von Weltklasse zu erzeugen und Sekte, die mit den besten Champagnern mithalten können. Die Voraussetzungen dafür seien in der Pfalz eben ideal, weil Riesling in Toplagen angebaut werde. Für Kauffmann, der zuvor zwölf Jahre lang für James Bonds Lieblingschampagner Bollinger verantwortlich war, wurde sogar eine Halle für Sekt gebaut, die Rebanlagen wurden erneuert, neue Pressen, Fässer und Gitterboxen angeschafft. Mit der deutschen Antwort auf Bollinger, dem 2013er Pechstein Riesling, ist allerdings erst 2025 zu rechnen. So lange braucht ein Sekt nämlich, um auf der Hefe zu reifen, wie der Weinexperte Stephan Reinhardt auf Spiegel Online erklärt.

Von Jukka - originally posted to Flickr as Bollinger, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6842167

James Bonds Lieblingschampagner (Foto: Jukka)

Wann ist ein Frühstück ein Frühstück?

Trockene Brötchen und Kaffee sind kein vollwertiges Frühstück und müssen deshalb nicht versteuert werden. Das entschied das Finanzgericht Münster, nachdem das Finanzamt von einem Softwareunternehmen für die „unentgeltliche Zurverfügungstellung einer Mahlzeit an den Arbeitnehmer in Form eines Frühstücks” eine Steuernachzahlung von 1,50 bis 1,57 Euro je Mitarbeiter und Tag verlangt hatte. Begründet wurde das Urteil laut Spiegel Online damit, dass es sich wegen des fehlenden Brotaufstrichs nicht um ein Frühstück gehandelt habe, sondern lediglich um „Kost“. Die müsse zwar auch besteuert werden. Das Gesetz sehe dafür aber eine andere Freigrenze vor, die nicht überschritten wurde.

Da freut sich das Finanzamt — Bagels mit Aufstrich

Belegte Bagels — da freut sich das Finanzamt

Deutscher Kürbismeister

Neuer Deutscher Meister im Kürbiswiegen wurde ein Team aus dem bayrischen Schönebach mit einem 792,5 Kilo schweren Gewächs. Im vergangenen Jahr wog Deutschlands schwerster Kürbis noch 900,5 Kilo, den Weltrekord hält der Belgier Matthias Willemijns seit 2016 mit 1.190,5 Kilo. Die Züchter der Siegerkürbisse haben sich damit für die Europameisterschaft am 8. Oktober qualifiziert. Einen Monat später werden die Riesenkürbisse dann freigegeben und in kleinen Stücken an Besucher des Blühenden Barocks in Ludwigsburg verschenkt.

Shampoo ... aber keine Zahnpasta

Body Lotion, Shampoo, Schaumbad … aber keine Zahnpasta!

Gute Frage

„Warum liegt in kaum einem Hotelzimmer Zahnpasta?”, hat sich „Die Welt” gefragt. Und herausgefunden, dass jeder dritte Hotelgast schon mal vergessen hat, welche einzupacken, und Hoteliers ausgerechnet bei der Mundhygiene ihrer Gäste sparen — immerhin zähneknirschend. Denn im Einkauf koste das günstigste Mini-Zahnset mit 27 Cent dreimal so viel wie eine Körperlotion.
Um einen Stern zu erhalten, muss ein Hotel dem „Kriterienkatalog zur Vergabe der Sterne der Deutschen Hotelklassifizierung” zufolge wenigstens Seife oder Waschlotion bereitstellen. Ab zwei Sternen zusätzlich Schaumbad oder Duschgel. Ab drei Sternen Papiergesichtstücher, ab vier Sternen Duschhaube, Wattestäbchen und Nagelfeile. Und im Fünf-Sterne-Hotel seien „Körperpflegeartikel in Einzelflakons“ Mindeststandard. Von Mundhygiene sei aber nie die Rede. Ein Fläschchen Lotion, so Die Welt, mache nun mal mehr her als eine Tube Zahnpasta.

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Zitat der Woche

In Anthony Bourdains Kochbuch „Appetites”, das bereits im Frühjahr erschienen ist, aber erst jetzt in der Tageszeitung Die Welt besprochen wurde, findet man den schönen Satz: „Es mag ja lobenswerter Ehrgeiz sein, den besten Risotto der Welt zuzubereiten, doch es ist einen Scheißdreck wert, wenn Ihre Gäste mit knurrendem Magen am Tisch sitzen und sich langsam die Birne zukippen, während Sie eine gefühlte Ewigkeit Reis rühren.“