Aktuelle Wochenschau

Korn wird hip. Wissenschaftler lüften das Geheimnis des Kaffeeverschüttens. Bahlsen verklagt die Leibniz-Universität. Englische Gärtner ernten das dickste Gemüse. Holland-Tomaten stammen aus Spanien. Saarweine werden unterschätzt. Den Veggie-Medien sind Fakten wurst. Und Bier macht doch glücklich. Die Woche im Überblick.

„Immer wenn ich traurig bin, trink ich einen Korn”, sang einst Heinz Erhardt. Für Helge Schneider gehört ein Korn ebenso zum Herrengedeck wie eine Katze zum Klo. Der Schriftsteller Heinz Strunk („Fleisch ist mein Gemüse”) kippt vorzugsweise Fakos — Fanta-Korn-Gemische. Und ohne die Lüttje Lage wäre Europas größtes Schützenfest in Hannover wohl nurmehr eine Party, auf der höchstens noch an einem  Piccolo genippt wird.
Weil Korn aber ein „preisgünstiger Schnaps” ist, „der vor allem von Arbeitern und Bauern getrunken wird”, wie Peter Pilz vom Verband Deutscher Kornbrenner weiß, hat er jedoch weniger ein Geschmacks- als ein Imageproblem. Und das soll sich nun mithilfe neuer Korn-Marken wie Nork gehörig ändern: Der Weizenbrand soll endlich hip und von seinem Flatrate-Disko-Schützenfest-Image befreit werden.

Bildschirmfoto 2017-09-17 um 14.17.55Das erhoffen sich nicht nur Start-up-Unternehmen, die sich nach dem Gin-Hype nun auf den Korn stürzen, sondern auch Getränkehersteller wie Berentzen, wo man längst „Crafted-Korn” destilliert: „Die Menschen wollen neue Geschmackserlebnisse, und sie möchten Handarbeit.“ Nicht nur bei uns, sondern immer mehr auch in den USA, wo der Berliner Brandstifter erst kürzlich von der „New York Times” als eines der „15 Topsouvenirs aus Europa” empfohlen wurde. Mehr in Die Welt.

Wissenschaftler lüften das Geheimnis des Kaffeeverschüttens

Wer keinen Kaffee mehr verschütten möchte, sollte den Becher von oben festhalten, geradeaus schauen und rückwärts laufen. Das verriet Jiwon Han von der renommierten Harvard-Universität, als er für sein Forschungspapier über verschütteten Kaffee in Boston den Ig-Nobelpreis  (von ignoble —  unwürdig) erhielt. Mit dem Spaßpreis wurden bereits zum 27. Mal kuriose Forschungen ausgezeichnet, die „erst zum Lachen und dann zum Denken anregen“. Mehr in Die Welt.

Von oben ...

Wissenschaftlich bewiesen: Wie man keinen Kaffee verschüttet

Goliath gegen David

Der Kekshersteller Bahlsen bangt um die Markenrechte an seinem Leibniz-Butterkeks und verklagt deshalb die nach dem letzten Universalgenie Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) benannte Hochschule, weil die sich die Webdomain Leibniz-Shop gesichert und den Namen beim Patentamt angemeldet hat. Die Bahlsen-Gruppe (Jahresumsatz: 550 Millionen Euro) sieht eine Verwechslungsgefahr mit seinem seit 1897 geschützten Keks. Im Online-Shop der Universität wird man auf der Suche nach ihm jedoch nicht fündig. Dort werden lediglich T-Shirts oder USB-Sticks mit dem Logo der Hochschule angeboten. Mehr auf  Spiegel Online.

Leibniz und Leibniz — Henne oder Ei?

Leibniz und Leibniz — Henne oder Ei?

Englische Gärtner ernten das dickste Gemüse

Bei einem seit 2011 ausgetragenen Wettbewerb für Riesengemüse wurden in Harrogate die größte Karotte (4 kg), Zwiebel (6,6 kg), die schwerste Rote Bete (16,8 kg) und Zucchini (67 kg) und der riesigste Kürbis (310,7 kg), ausgezeichnet. Wie war das doch noch gleich mit den dümmsten Bauern und den dicksten Kartoffeln? Mehr auf Spiegel Online.

Tomaten

Jede dritte aus Holland importierte Tomate stammt aus Spanien

Holländer züchten die besten Tomaten

In der „Welt” räumt die niederländische Journalistin Annemieke Hendriks mit gängigen Vorurteilen gegenüber Tomaten auf. Dass eine Tomate zu 95 Prozent aus Wasser besteht, ahnte man bislang bei Produkten aus ihrem Heimatland. Falsch! „All die leckeren Tomatensorten, von denen wir denken, die schmecken noch wie bei Großmutter, sind in Wirklichkeit gute Neuzüchtungen aus Holland.” Für italienischen Ketchup werden oft die allerbilligsten Tomaten verwendet — aus China. Und wer welche in Südeuropa auf dem Markt kauft, kann davon ausgehen, dass sie mehr Pestizide enthalten als jene, die exportiert — und deshalb scharf kontrolliert — werden.

Geschirr, Foto: Arc International France

Saarweine sind besser als ihr Ruf

Rehabilitation der Saarweine

Obwohl drei Flaschen von Egon Müllers Trockenbeerauslese 2015 für jeweils 12.000 Euro versteigert wurden und sie zu den teuersten Weinen der Welt zählt, eilt Saarweinen noch immer der Ruf voraus, zu süß zu sein. Den Grund dafür sieht der Weinsprech-Blogger Gerald Franz im Chaptalisieren, also dem Aufzuckern des Mostes, das in den Achtzigern praktiziert wurde und für das schlechte Image verantwortlich sei, das ihnen weiterhin anhängt. Dabei gebe es so viel Aromatik bei so wenig Alkohol eigentlich nur an der Saar und ihre Säure sorge nicht nur für Frische, sondern wirke sich auch hervorragend auf die Lagerfähigkeit aus.

vegan world

Fakten sind den Veggie-Medien wurst

„Wie viel Soja-Latte braucht es”, um Statistiken vertrauen zu können, die in „Veggie-Medien” herangezogen werden, um vor den Gefahren des Fleischkonsums zu warnen, fragt sich der Vegetarier Julius Heinrichs in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Und kommt zu dem Schluss, dass den mittlerweile 50 Veggie-Magazinen und Hunderten Apps „Fakten wurst sind”. „Die fleischlose Krone der Ballaballa-Argumentation” verleiht Heinrichs an die Tierschutzorganisation Peta, die behauptet, rotes Fleisch erhöhe einer Studie zufolge das Herzinfarktrisiko um 60 Prozent. „Was Peta nicht sagt: Diese Studie ist umstritten, der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nicht gewiss — und ein leicht erhöhtes Risiko gilt nur für Menschen mit einem sehr hohen täglichen Konsum roten Fleisches, was wahrscheinlich jedoch nicht am Fleisch, sondern an den Fleisch-Zusatzstoffen liegt.”

Hedonistische Nahrungsaufnahme

Der Neurotransmitter Dopamin aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn und sorgt dafür, dass sich ein glückliches Gefühl einstellt, wenn wir Bier trinken, weil Gerstenmalz auch Hordenin enthält. Das haben Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden. Die von Hordenin ausgelöste Reaktion im menschlichen Körper bewirkt, dass man nicht aufhören will, etwas zu essen oder zu trinken. Dieses Phänomen nennt sich hedonische Nahrungsaufnahme. Mehr in der Augsburger Allgemeinen

Wissenschaftlich bewiesen: Bier macht glücklich

Wissenschaftlich bewiesen: Bier macht glücklich

Zu guter Letzt

Einer französischen Studie zufolge ist die Farbe des Nebels, der einer Flasche Champagner beim Entkorken entweicht, bei 6 und 12 Grad Celsius weiß, bei 20 Grad hingegen blau. Die Studie, so die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”, diente den Forschern offenbar als Vorwand, „reihenweise Champagnerflaschen zu köpfen”.