Aktuelle Wochenschau

Die Königin der Meere residiert auf Sylt. Die wichtigste Mahlzeit des Tages ist ein Clown. Kassiererinnen kennen ihre Pappenheimer. In Berlin gibt es jetzt auch vegetarische Metzger. Und Unfallversicherungen haften nicht bei Bier-Wanderungen. Die Woche im Überblick.

Vom 13. Jahrhundert bis zu Beginn des 20. gab es in der Nordsee Austern noch in Hülle und Fülle. Dann waren sie so gut wie ausgestorben, weil die Fischer sie mit Streicheisen an Bord gezogen und dabei die Austernbänke zerstört hatten. Erst seit Onkel Dittmeyer, der nette Herr aus der Saftreklame, vor fast 40 Jahren gemeinsam mit der Bundesforschungsanstalt für Fischerei die Pazifische Felsenauster auf Sylt ansiedelte, ist daraus wieder ein einträgliches Geschäft geworden. Zur Weihnachtszeit werden täglich etwa 20.000 Königinnen der Meere ausgeliefert, und ein Drittel des jährlichen Fangs, rund 300.000 Austern, werden direkt auf Sylt von Urlaubern aus den Schalen geschlürft. Ruth Schalk hat sich vor Ort angesehen, wie Meeresgärtner Deutschlands nördlichste Delikatessenfarm bewirtschaften und wie vorsichtig sie dabei zu Werke gehen müssen. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

Obst erfreut sich nicht nur unter Hipstern immer größerer Beliebtheit beim Frühstück

Frisches Obst zum Frühstück — und der Tag kann beginnen

Kaiser, König, Bettelmann

Die wichtigste Mahlzeit am Tag ist ein Clown, wie unsere Großmütter zu sagen pflegten. Danach kommt aber schon das Frühstück, denn morgens soll man essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann, damit man auf Dauer schlank bleibt. Zu einer Renaissance der Frühstückskultur kam es bei uns allerdings erst, nachdem Smoothies, Chia-Pudding oder Porridge in den USA, Skandinavien, Australien und Neuseeland das Frühstücksangebot bereichert hatten und dieser Trend zu uns herübergeschwappt war. Seitdem spülen nicht nur Hipster in Berlin-Mitte „handwerklich gebackene Brioche an selbst gemachtem Marillenkompott mit lokal geröstetem Kaffee” hinunter, auch hochwertige Toaster, Wasserkocher und Hochleistungsmixer werden verstärkt nachgefragt. (Welt am Sonntag kompakt)

Keep smiling —

Kassiererinnen lieben Lebensmittel — und kennen ihre Pappenheimer

Kassiererinnen packen aus

Weil man in einem Supermarkt die Leute so kennenlernt, wie sie wirklich sind, hat die „Welt am Sonntag” Kassiererinnen von Aldi, Alnatura, Rewe und Rossmann nach ihren Erlebnissen mit Kunden befragt. Heraus kam dabei, dass Jüngere nicht mehr kopfrechnen können und ständig auf ihr Handy starren, manch einer keine Manieren hat und sein Parkticket zwischen die Lippen steckt, bevor er es der Kassiererin zur Entwertung reicht, oder ein Kunde Joghurts im Batterieregal abstellt, weil er es sich anders überlegt hat und zu faul ist, sie wieder in den Kühlschrank zu stellen. Des Öfteren schon erlebt hat ein Aldi-Verkäufer aber auch, dass ein Kunde dem anderen aushilft, wenn ihm an der Kasse ein paar Cent fehlen, und den Restbetrag übernimmt. (Welt am Sonntag)

Kein Lifestyle-Produkt, sondern echtes Fleisch

Kein gestyltes Scheinprodukt, sondern echtes Fleisch

Vegetarische Metzger

Etwa 60 Kilo Fleisch isst jeder Deutsche pro Jahr, sechs Kilo weniger als noch 1990. Um diesen Rückgang zu kompensieren, bietet der Wurstfabrikant Rügenwalder Mühle auch vegetarischen Fleischersatz an, der bereits ein Viertel seines Umsatzes ausmacht. Denn rund ein Drittel aller Haushalte besteht inzwischen aus Flexitariern, also Leuten, die weniger Fleisch essen, aber nicht völlig auf Wurst und Fleisch bzw. deren Geschmack verzichten wollen. Der Catering-Service für Rockbands, die Rote Gourmet Fraktion, setzte deshalb schon vor 15 Jahren eine „Vegetarische Schlachteplatte” auf den Speiseplan, die aus gebratenem Salat, geschmorten Chicorees, kandierten Apfelringen in Rotwein und Kartoffelstampf besteht, und der Vegetarische Metzger, ein Imbiss in Berlin-Kreuzberg, bildet Fleisch nun „möglichst perfekt” nach. Für Siegfried Wintgen vom Verband der Köche Deutschlands sind Fleischimitate wie Veggie-Würste oder Soja-Schnitzel jedoch „gestylte Scheinprodukte”, die er zur „Unkultur von Fertigprodukten” zählt: „Die Menschen wissen nicht mehr, wie sie Lebensmittel vernünftig zubereiten können und erkennen deren Qualität nicht.” (Die Welt kompakt)

Jever, Jever, du musst wandern, von dem einen Gast zum andern

Bierchen, Bierchen, du musst wandern, von dem einen Gast zum andern

Zu guter Letzt

Wenn jemand an einer Bier-Wanderung eines Sportvereins teilnimmt und sich dabei verletzt, handelt es sich nicht um einen Arbeitsunfall — selbst wenn er dabei von zwei Arbeitskollegen begleitet wird. Das entschied das Hessische Landessozialgericht in letzter Instanz. Die gesetzliche Unfallversicherung greife nur bei betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltungen, bei der besagten Bier-Wanderung habe es sich aber um eine von einem Sportverein organisierte Großveranstaltung gehandelt, hieß es zur Begründung. Ob der Arbeitgeber die Teilnahmekosten übernommen und die Mitarbeiter verpflichtet habe, bei der Veranstaltung betriebliche Kleidung zu tragen, spiele keine Rolle. (Spiegel Online)