Auf ein Bier mit Özdemir

Ihren Erfolg verdankten Bio-Weine lange Zeit dem Umstand, dass Weintrinker damit ihr Gewissen beruhigen konnten. Wenn sie sich schon nicht aktiv für den Umweltschutz einsetzten, wollten sie wenigstens den ökologischen Weinbau unterstützen und so ihren Teil zu einer besseren Welt beitragen. 

Zu Gesprächen mit ihren Spitzenkandidaten luden die Hamburger Grünen bislang immer unter einem Motto ein, das ihre Stammwähler ansprach: „Auf ein Glas Wein mit …” Weil es sich so schön reimt, heißt es im Bundestagswahlkampf nun aber „Auf ein Bier mit Cem Özdemir”. Dabei hätte Wein dem Image des Baden-Württembergers doch viel besser entsprochen und dem Wähler die Gelegenheit gegeben, einmal Bio-Weine zu verkosten, deren Trauben früher reif werden, weniger Zucker einlagern und dadurch mehr Säure erhalten. Dass selbst mit einem EU-Biosiegel versehene Weine jedoch, so der „Weinsprecher” Gerald Franz, zahlreiche Zusatzstoffe wie Gelatine oder Gummi arabicum enthalten und im Weinberg Schwefel- oder Kupferlösungen auf die Pflanzen gespritzt werden — Schwamm drüber! Was interessiert die Grünen ihr Geschwätz von gestern.

Loch

Abschied von Kupferlösungen — Trauben vom Weingut Loch

Konsequenter verhalten sich da schon die Bio-Weinpioniere Claudia und Manfred Loch, die in Herrenberg an der Saar einen Weinhof betreiben, aus dem Bundesverband Ökologischer Weinbau aber wieder ausgetreten sind. Denn statt mit Kupfer wollen die Lochs ihre Reben lieber mit Phosphorsäuren vor Mehltau schützen — doch die werden im Gegensatz zu Kupfer von den Öko-Winzern geächtet. Lochs Fazit auf „Spiegel Online” klingt denn auch sehr diplomatisch: „Es ist nicht alles schlecht im konventionellen Weinbau und es ist nicht alles Gold bei den Methoden der Bioverbände.”

Weltmeister-Wein

Beim Concours International de Lyon, der inoffiziellen Weinweltmeisterschaft, errang kein Burgunder, sondern ein Goldbach-Chardonnay der Familie Kress aus Überlingen am Bodensee den Titel. Ihr 2015er Wein reifte acht Monate lang in Barrique-Fässern, enthält Aromen von getrockneter Banane und Flieder und wird vom FAZ-Weinexperten Jakob Strobel Y Serra in den höchsten Tönen gelobt: „Kein Aufschneider, kein Angeber, sondern ein harmonischer, vollkommen in sich ruhender, von seiner Frucht wie auf Händen getragener Tropfen.”

006708__4

Rosés werden immer heller

Bei der diesjährigen International Wine Challenge wurde hingegen ein Côtes de Provence, den es bei Aldi Süd für gerade mal sieben Euro die Flasche gibt, als einer der weltweit besten Rosé-Weine ausgezeichnet. „Der prämierte Aldi-Tropfen”, so Gesche Wüpper in „Die Welt”, „steht stellvertretend für den Siegeszug der blassrosafarbenen Roséweine”, den sie den Winzern der Côtes de Provence zu verdanken haben, die schon seit zwei Jahrzehnten Roséweine aufhellen. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Anteil von Rosés an Exporten französischer Weine von zehn auf über 25 Prozent.