Umstrittenes Fischfang-Moratorium

Was den Deutschen die Bratwürste, sind den Portugiesen die Sardinen. 780 Stück werden pro Minute verkauft, zum Kilopreis von etwa 6 Euro. Ein Menü ohne Sardinen? In Portugal undenkbar. Doch nun droht die Sardine zum Luxusgut zu werden.

Damit sich die schwindenden Bestände wieder erholen können, fordert das International Council for the Exploration of the Sea (ICES) ein 15-jähriges Fangverbot für Sardinen. Die Sorge um die Sardinenschwärme lässt in Portugal jedoch die Alarmglocken schrillen. Nicht nur im Fischereiministerium, wo man sogleich darauf hinwies, dass die Fangquoten bereits in den vergangenen Jahren drastisch reduziert wurden und 2015 nur noch halb so viele Tonnen — 14.000 — gefischt wurden wie zwei Jahre zuvor. Sondern auch in der Konservenindustrie, die es mit modernen Designs geschafft hat, dass Sardinendosen zu begehrten touristischen Souvenirs wurden. Und nicht zuletzt in den Kreisen der jungen portugiesischen Köche, die gerade mit ihrer Nouvelle Cuisine  international Aufsehen erregen.

manger trouvé

Importeur portugiesischer Fischdelikatessen — Daniel Rietdorf von manger trouvé

Das geplante Fangmoratorium würde nicht nur die portugiesische Fischerei in ihrer Existenz bedrohen, sondern auch das Land in eine große wirtschaftliche Krise stürzen. Nicht die Überfischung sei für die schwindenden Bestände verantwortlich, sondern der Klimawandel, heißt es denn auch — und außerdem achte man ohnehin darauf, dass nur ausgewachsene Sardinen mit 11 cm Länge gefangen werden.

Unterstützung in dieser delikaten Angelegenheit erhielten die Portugiesen nicht ganz überraschend von seinem spanischen Nachbarn, dessen Provinz Galizien ebenfalls vom Sardinenfang lebt. Das geplante Fangmoratorium verglich die Tageszeitung „El País“ nicht ganz zu Unrecht mit einem 15-jährigen Bierverbot auf dem Münchener Oktoberfest.