Apfelsäfte für Gourmets

„Wenn das jemand mit Wein veranstalten würde”, ereiferte sich Peter von Nahmen von der Familienkelterei van Nahmen gestern im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, „gingen die Leute wahrscheinlich auf die Straße.” Der Grund seines Unmuts: Bei 80 Prozent aller Apfelsäfte wird der Direktsaft auf ein Sechstel eingekocht, dann mit Wasser verdünnt und als hundertprozentiger Saft verkauft.

Direktsaft statt Konzentrat — Nachbars Garten

Direktsaft statt Konzentrat — Nachbars Garten

Auch vom gängigen Verfahren, Rhabarber, der so viel Säure hat, dass man seinen Saft pur nicht trinken mag, mit Wasser und Zucker zu strecken, hält der Juniorchef des Traditionsunternehmens nicht allzu viel. Schließlich könne man für Rhabarbersaft ja auch eine mildere Sorte verarbeiten, deren Säuregehalt von Natur aus geringer ist.

Das Geld hängt an den Bäumen

Das Geld hängt an den Bäumen

Der Trend, für Apfelsaft Obst von Streuobstwiesen zu verwenden, weil darin 50 bis 80 von 150 Sorten enthalten sind, hält dabei an — der Marktanteil von Direktsäften wächst seit ein paar Jahren wieder. Und dass Direktsäfte viel besser schmecken als ein Konzentrat, zeigten auf der letzten Gastro Vision auch Aussteller wie die Initiative Das Geld hängt an den Bäumen, die einen natürtrüben Apfelsaft in einer Slow-Food-Mosterei pressen lässt. Verarbeitet wird dabei ausschließlich reifes und ungespritztes Obst, das entweder auf selbst angelegten Streuobstwiesen geernet oder gespendet wird, und natürlich enthält der Saft aus Nachbars Garten auch keine Zusatzstoffe.

In der Liga hochpreisiger Weine siedelt Peter van Nahmen denn auch einen seiner Gourmet-Säfte an, die Rote Sternrenette. Nicht preislich, sondern geschmacklich: Den FAS-Mitarbeiter Peter Badenhop erinnerte sie „fast an einen trockenen Weißwein”.