Geschäft mit der Angst

Seitdem der ehemalige Greenpeace-Chef Thilo Bode und die von ihm gegründete Organisation Foodwatch recherchiert, welche Gifte in unseren Lebensmitteln enthalten sind, ist so manchem Konsumenten schon der Appetit vergangen und er hat sich gefragt: Was kann ich denn überhaupt noch essen, wenn ich mich gesund ernähren möchte?

Der Wissenschaftsautor Thilo Spahl gibt im Online-Magazin Novo nun Entwarnung. „Jeder Schluck vom offenen Rotwein, jedes Möhrchen, jede Nudel, jede Scheibe Salami, jeder Löffel Tiramisu im Restaurant oder der Kantine bergen für Bode ein Risiko, das Falsche zu essen, sich womöglich einer Gefahr auszusetzen. Jeder Happen weckt in ihm das Gefühl, der Lebensmittelindustrie ausgeliefert zu sein. Irgendwie fehlen immer Informationen”, polemisiert Spahl. Das Leben sei aber „mehr als ein paar unbekannte Inhaltsstoffe”.

Foodwatch, so sein Vorwurf, betreibe ein Geschäft mit der Angst und male eine akute Bedrohung an die Wand, um Spenden einzusammeln. Von einer ernsten Gefahr könne aber nicht die Rede sein, wenn man sich die angeblichen Gifte und die Belastungen durch sie einmal näher ansehe.

Entwarnung

Welche schwangere Frau isst schon regelmäßig Hai, wenn es auch Lachs gibt?

So behaupte Foodwatch, dass bei dem niedrigen Grenzwert von einem Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Fisch knapp 50 Prozent der Fisch-Waren nicht verkehrsfähig wären. Tatsächlich, so Spahl, gehe es aber nur um Haifisch und Schwertfisch: „Aber welche schwangere Mutter, auf deren Schutzbedürftigkeit besonders verwiesen wird, isst schon regelmäßig Hai?” Beim Hering oder Seelachs liege die Zahl der Überschreitungen dagegen bei null Prozent und bei über 99 Prozent der Proben die Belastung unter 50 Prozent des Grenzwerts.

Auch über Glyphosat müssten sich Eltern nicht mehr den Kopf zerbrechen. Denn um gesundheitlich gefährdet zu werden, müsste ein Säugling bei den hierzulande herrschenden Belastungen täglich schon 1,6 Millionen Liter Muttermilch trinken. Bei Biertrinkern würden hingegen 2000 Halbe pro Tag reichen, um den staatlich festgelegten Grenzwert zu erreichen.

Spahls Fazit ist denn auch niederschmetternd — für Foodwatch:
„Jedes Jahr erleiden mindestens eine Million Deutsche eine Lebensmittelvergiftung. Verursacher sind Viren, Bakterien, Parasiten und Bakterien. Wem an seiner Gesundheit gelegen ist, der sollte daher lieber auf Küchenhygiene als auf Foodwatch setzen.”