Alles Bio oder was?

Um den Etikettenschwindel mit Bio-Siegeln zu beenden und Verbrauchern die Übersicht zu erleichtern, legte eine EU-Kommission bereits 2014 einen Entwurf vor, der den Anbau regeln und ökologische Landwirtschaftsprodukte einheitlich kennzeichnen sollte. Wie die „Wirtschaftswoche” berichtet, steht die geplante neue Ökoverordnung nun aber vor dem Aus — wenn sich die EU-Landwirtschaftsminister nicht doch noch bis Ende Juni auf eine allgemein gültige Verordnung einigen sollten.

744px-Bio-Siegel-EG-Öko-VO-Deutschland.svg

Den Richtlinien der EU zufolge sollen zum Beispiel Legehennen genügend Raum zum Ruhen, Laufen, Picken und Scharren haben. Und wer nicht mehr als 3.000 Hühner in einem Stall oder jeweils sechs Hennen auf einem Quadratmeter hält, darf Eier mit einem Bio-Siegel versehen. Theorie und Praxis klaffen auch diesbezüglich aber weiterhin stark auseinander. So besuchte die Sendung Marktcheck des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) Betriebe, die auch Bio-Eier für den Discounter ALDI Süd produzieren, und fand heraus, dass die Hühner dicht gedrängt auf mehreren Etagen gehalten und von Elektroleitungen am Auslauf gehindert werden. Aufnahmen aus niederländischen Tierfabriken, die dem SWR zugespielt wurden, bestätigten das.

bay_biosiegel_4c_CS6

ALDI versprach daraufhin, die Betriebe erneut zu prüfen und gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen. Allerdings werden die Bio-Eier von ALDI ohnehin nur mit dem schwachen Bio-Siegel der EU versehen, während Anbauverbände wie Naturland, Bioland oder Demeter sich freiwillig weitaus strengeren Auflagen und Kontrollen unterziehen.