Watergate an der Elbe

Steht uns nach dem Kampf um Öl nun auch ein Wasserkrieg bevor? Drei Meldungen aus der jüngsten Vergangenheit lassen die Alarmglocken schrillen.

Mit Preiserhöhungen von bis zu 45 Prozent für Trinkwasser müssen Verbraucher in Deutschland rechnen, weil zu viel Gülle auf den Feldern landet und im Obst- und Gemüseanbau übermäßig viel Mineraldünger eingesetzt wird. Jeder vierte Wasserspeicher weist bereits eine erhöhte Nitratkonzentration auf, wie eine Studie des Umweltbundesamtes ergab, sodass auf die Wasserwerke zusätzliche Kosten von bis zu 767 Millionen Euro pro Jahr zukommen und eine vierköpfige Familie jährlich 134 Euro mehr für sauberes Trinkwasser ausgeben muss. Eine am 2. Juni in Kraft getretene Düngeverordnung soll die Belastung des Grundwassers zwar reduzieren und den Einsatz von Gülle einschränken. Bereits jetzt wird belastetes Grundwasser aber schon mit sauberem gemischt, um die vorgeschriebenen Grenzwerte nicht zu überschreiten.

Viva con Agua ist nicht umsonst das offizielle Wasser der Gastro Vision

Viva con Agua bleibt auch künftig das offizielle Wasser der Gastro Vision

Derweil pumpt Nestlé im US-Bundesstaat Michigan jedes Jahr Millionen Liter Wasser aus dem Boden, füllt es in Plastikflaschen und verkauft es als „Ice Mountain Natural Spring Water”. Durchschnittlich 4,8 Millionen Flaschen befüllt Nestlé täglich mit abgefülltem Quellwasser und bezahlt für die Entnahme gerade mal 200 Dollar — pro Jahr. Der „New York Times” zufolge will sich Nestlé damit aber nicht begnügen, sondern die abgepumpten Wassermengen um 60 Prozent erhöhen.

Michigan ist beileibe kein Einzelfall. Obwohl 42 Millionen Äthiopier sich nicht mit sauberem Wasser versorgen können und die Vereinten Nationen mal wieder vor einem Massensterben aufgrund der ausbleibenden Regenzeit warnen, gründete der Schweizer Lebensmittelkonzern im vergangenen Jahr ein Joint Venture mit dem Getränkehersteller Abyssinia Springs und pumpte 50.000 Liter pro Stunde ab.

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Dagegen wirkt die Schlammschlacht, die sich die „Hamburger Morgenpost” mit dem Schauspieler Til Schweiger liefert, geradezu dubios. Nachdem das Boulevardblatt behauptet hatte, ein Glas Wasser koste in seinem Restaurant Barefood Deli 4,20 Euro, konterte Schweiger mit einer Gegendarstellung auf der Titelseite, in der er klarstellte, dass er keineswegs „Hamburgs teuerstes Leitungswasser” verkaufe. Via Facebook pöbelte er gegen das „Schmierblatt”, das „läppisch und kleingeistig” sei. Und per Gast-Kommentar im „stern” betonte er, dass das Hamburger Trinkwasser aufwendig gefiltert und aufbereitet werde, bevor es in seinem Deli auf den Tisch kommt.