Da kommt Freude auf

Mit Bollywood, das nach der indischen Filmmetropole benannt wurde, macht seit kurzem ein fruchtig-herbes Craft-Bier von sich reden, das sich zu einem indischen Curry-Gericht ebenso eignet wie zu einer bayrischen Brotzeit. Sein hoher Alkoholgehalt (8,0 %) ist sehr harmonisch in die Hopfenbittere eingebunden und wird von einer angenehmen Süße und einem Duft von frischem Harz, Grapefruit, Kiwi, Pfirsich und Papaya umspielt. Und auch im Glas macht das süffige Indian Pale Ale (IPA) mit seiner goldorangenen Farbe und der cremeweißen Schaumkrone einen extrem guten Eindruck.

Gebraut wird Bollywood vom Hamburger Start-Up Von Freude, das auf Individualität setzt und der „Massenbierhaltung” den Kampf angesagt hat. Für jede Biersorte werden ein besonderer Hopfen, eine charakteristische Hefe und aromatische Malzsorten ausgesucht.

Bollywood

Ganesh goes to Bollywood

Der Name erinnert nicht zuletzt daran, wie das India Pale Ale einst entstand. Damit die Schiffe der britischen East India Company im 17. Jahrhundert nicht mit leeren Lagerräumen in See stechen mussten, wenn sie sich auf den langen Weg nach Indien begaben, um Gewürze oder Tee zu laden und diese nach Europa zu importieren, belud man sie mit Fässern, in denen ein in Burton gebrautes Bier während der Überfahrt reifen konnte. Die längere Lagerung und Haltbarkeit, der höhere Alkoholgehalt und das spezielle Aroma sorgten dafür, dass die auf dem indischen Subkontinent stationierten britischen Soldaten mit einem erfrischenden Getränk bei Laune gehalten wurden — dem India Pale Ale.

Dass IPA-Biere sich einer Renaissance erfreuen und der Markt für handgemachte, kreative und hochwertige Biere mit besonderen Aromen weiter wächst, während die großen Braukonzerne mit einem fallenden Pro-Kopf-Verbrauch zu kämpfen haben, ist der in den Achtzigerjahren in den USA entstandenen Craft-Beer-Bewegung zu verdanken, die in den vergangenen Jahren auch nach Europa geschwappt ist. Eine große Auswahl von Zutaten verleihen Craft-Bieren ihren Geschmack und Charakter, Zitrus- und Fruchtaromen sind längst Bestandteil eines jeden zumeist von Start-Ups produzierten Bieres. Selbst kurios anmutende Kombinationen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

BrauFactum

Biere für Individualisten — BraufactuM

Während Bier bislang eher als Getränk des kleinen Mannes galt, gleicht der Kult, der um Craft-Biere betrieben wird, längst dem, der um Wein gemacht wird. Statt auf große Hektarerträge setzen Bier-Sommeliers konsequent auf eine Steigerung der Qualität und nehmen auch in Kauf, dass es beim Bier nun ebenso wie bei Weinen nur limitierte Abfüllungen gibt. Hauptsache, die Mineralität und das Terroir sind okay.

Die Zahl der Mikro-Brauereien und Gaststätten, die ihr eigenes Bier brauen, hat denn auch in Deutschland stark zugenommen, und obwohl Craft-Biere mitunter noch als Intellektuellen- oder Kreativbiere belächelt werden, verschließen sich auch marktbeherrschende Firmen wie Radeberger nicht dem neuen Trend und kommen mit neuen Marken wie BraufactuM den gestiegenen Geschmacksansprüchen von Biertrinkern nach. Allein bis es in Restaurants nicht nur Wein-, sondern auch Bierkarten gibt, wird es wohl noch etwas dauern, weil die meisten Lokalitäten vertraglich noch an bestimmte Biere gebunden sind.