Stevan Paul, 1969 geboren, ist gelernter Koch und arbeitet heute als Foodjournalist, Kochbuchautor, Radio-Kolumnist sowie Schriftsteller und betreibt einen Foodblog. Deborah Klein sprach mit ihm über Handwerk, Ernährung und Genuss.

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Stevan Paul betreibt eines der meistgelesenen Genuss-Blogs im deutschsprachigen Raum. (Foto: Andrea Thode)

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ganz unterschiedlich, mal arbeite ich am Schreibtisch, dann bin ich wieder auf Reisen für eine Reportage oder ich stehe wochenlang im Studio und koche für die Fotoaufnahmen zu meinem nächsten Kochbuch.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als kulinarischer Berichterstatter freut es mich, dass vor allem der sogenannte „Verbraucher“ sich geändert hat, der Gast, der Kunde. Die Menschen, die sich mit Genuss beschäftigen, sind immer öfter gut informiert, stellen Fragen, sind interessiert. Eine Riesenchance für Gastronomie und Hotellerie. Allein die drei großen Trends der letzten Zeit, Streetfood, Craftbeer und Qualitätskaffees entstanden alle aus dem gleichen Bedürfnis der „Verbraucher“, die sagten: Wir haben den industriellen Kram satt. Wir wollen Vielfalt, statt Einfalt, wir wollen Qualität und Handwerk. Der Konsument ist immer öfter Prosument – und das ist klasse!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Immer noch werden zu wenig Menschen erreicht, wenn es um Kulinarik geht, um die Vermittlung von Qualitäten, um das Verständnis von Zusammenhängen. Immer noch wird in Deutschland lieber der Preis eines Produktes diskutiert, statt über seinen Wert nachzudenken. Da braucht es weiter Aufklärung. Mit Geduld und ohne missionarischen Eifer.

Wer sollte Sie kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich kommuniziere schon sehr kräftig mit Produzenten und Gastronomen, bin immer auf der Suche nach dem besonderen Produkt, nach kulinarischen Geschichten, nach den Querdenkern in der Branche, den Visionären. Das ist spannend!

Wo finden wir Sie im Internet?

Meine Homepage liefert eine Übersicht über meine unterschiedlichen Tätigkeiten. Dann gibt es auch mein Blog mit den unterschiedlichsten Beiträgen zur Kulinarik, natürlich bin ich auch auf Facebook, Twitter und Instagram zuhause.

Welche Termine und Events stehen in der nächsten Zeit an?

Dieser Herbst und der Winter stehen ganz im Zeichen der Literatur, Ende August fliege ich auf Einladung des Goethe-Institutes nach Sao Paulo und werde dort einige Lesungen haben. Am 1. September 2016 erscheint mein kulinarischer Roman „Der große Glander“ (mairisch Verlag) und es wird Lesereisen durch Deutschland und die Schweiz geben. Besonders beliebt sind dabei die Menü-Leseabende bei denen die einladenden Restaurants, begleitend zu den Lesestücken, ein drei-vier-Gang Menü zaubern, da kommt dann oft das eben Gehörte tatsächlich auf die Teller. Eine tolle Erfahrung, die Leute gehen immer ganz beseelt nachhause!

Wie lautet Ihr Lebens- bzw. Arbeitsmotto?

Was nervt kommt weg, und was weiter nervt, kommt weiter weg! (lacht)

 

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Das neue Werk von Stevan Paul

Stevan Paul – DER GROSSE GLANDER

Roman

Der junge Künstler Gustav Glander wird im New York der 1990er-Jahre zum Star der Eat-Art-Bewegung. Seine kulinarisch geprägten Arbeiten und Aktionen sind spektakuläre Inszenierungen und treffen den Nerv der Zeit, Kritiker und Sammler stürzen sich auf die Werke des schweigsamen Deutschen. Doch der Erfolg bereitet Glander Unbehagen. Von einem Tag auf den anderen verschwindet er. Spurlos.

Stevan Paul – „Der große Glander“
ISBN 978-3-938539-40-8

Erscheinungstermin: 01.09.2016
20,00 €, auch als E-Book erhältlich.